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Lesezeit 8 Min. · Stand September 2026

Klimaanlage kann auch heizen: Lohnt sich das statt Heizkörper?

Fast jede moderne Split-Klimaanlage kann auch heizen. Technisch ist sie dann eine Luft-Luft-Wärmepumpe. Ob sich das rechnet, hängt davon ab, was Sie damit vorhaben: die Gasheizung in der Übergangszeit entlasten oder die Heizkörper ganz ersetzen. Beides kann sinnvoll sein, aber nicht in jedem Haus.

Wie eine Klimaanlage heizt

Im Heizbetrieb wird der Kältekreis einfach umgedreht. Ein Umschaltventil sorgt dafür, dass das Außengerät jetzt Wärme aus der Außenluft aufnimmt und das Innengerät sie in den Raum abgibt. Auch bei 0 Grad draußen steckt noch reichlich nutzbare Wärme in der Luft. Wie der Kreislauf im Einzelnen funktioniert, steht im Artikel Wie funktioniert eine Klimaanlage.

Die Kennzahl fürs Heizen ist der SCOP. Ein SCOP von 4 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden über die Heizsaison gerechnet 4 kWh Wärme. Die besten Geräte erreichen auf dem Label Werte über 5. Im echten Betrieb liegt man meist etwas darunter, weil das Gerät bei Frost abtauen muss und die Leistung bei tiefen Temperaturen sinkt.

Rechenbeispiel 1: Gasheizung in der Übergangszeit entlasten

Das ist der Fall, den wir am häufigsten sehen. Die Gasheizung bleibt, aber im Frühjahr und Herbst heizt die Klimaanlage Wohn- und Essbereich.

Annahmen: 3.000 kWh Wärme im Jahr übernimmt die Klimaanlage. Gaspreis 11,93 ct/kWh (BDEW-Durchschnitt Einfamilienhaus, August 2026), Nutzungsgrad des Gaskessels 90 %. Strompreis 37 ct/kWh (BDEW-Durchschnitt Haushalte, August 2026). Realistische Arbeitszahl der Klimaanlage im Betrieb: 4.

Gasheizung Klimaanlage (Heizbetrieb)
Energiebedarf 3.000 ÷ 0,9 ≈ 3.333 kWh Gas 3.000 ÷ 4 = 750 kWh Strom
Kosten pro Jahr ca. 398 € ca. 278 €
CO₂ pro Jahr ca. 670 kg (201 g/kWh Erdgas) ca. 258 kg (344 g/kWh Strommix 2025, UBA)

Ersparnis: rund 120 € und gut 400 kg CO₂ im Jahr. Das macht eine Klimaanlage nicht allein wirtschaftlich. Wer sie aber ohnehin für den Sommer einbaut, bekommt diese Ersparnis im Winter dazu. Mit eigenem PV-Strom im Frühjahr und Herbst sieht die Rechnung noch besser aus.

Rechenbeispiel 2: Heizkörper komplett ersetzen

Hier wird es anspruchsvoller. Annahmen: Einfamilienhaus mit 15.000 kWh Heizwärmebedarf im Jahr, Luft-Luft-Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,5, sonst wie oben.

  • Gas: 15.000 ÷ 0,9 ≈ 16.667 kWh → ca. 1.988 € pro Jahr (zuzüglich Grundpreis, Wartung und Schornsteinfeger)
  • Luft-Luft-Wärmepumpe: 15.000 ÷ 3,5 ≈ 4.286 kWh → ca. 1.586 € pro Jahr

Rund 400 € weniger im Jahr, plus der Wegfall von Gas-Grundpreis und Kesselwartung. Aber: Das Warmwasser ist damit noch nicht erledigt. Dafür braucht es eine eigene Lösung, etwa eine Warmwasser-Wärmepumpe. Und jeder Raum, der warm werden soll, braucht ein Innengerät oder eine andere Wärmequelle.

Wo die Grenzen liegen

Das Gebäude muss passen. Luft-Luft-Wärmepumpen funktionieren am besten in gut gedämmten Häusern, Neubauten und kompakten Wohnungen mit offenem Grundriss. In einem unsanierten Haus mit vielen kleinen Räumen werden es schnell zu viele Innengeräte.

Bäder und Nebenräume. Im Bad hängt man selten ein Klimagerät auf. Dort braucht es meist eine zusätzliche Lösung, etwa einen elektrischen Handtuchheizkörper.

Warme Luft steigt nach oben. Ein Wandgerät unter der Decke bläst die Wärme zuerst dorthin, wo sie am wenigsten gebraucht wird. Für Räume, die hauptsächlich beheizt werden, empfehlen wir deshalb oft ein Truhengerät in Bodennähe. Das fühlt sich an den Füßen deutlich angenehmer an.

Die Heizlast bestimmt die Größe. Ein Gerät, das für den Sommer richtig ausgelegt ist, kann für den Winter zu klein sein. Wer heizen will, lässt die Heizlast des Raums nach DIN EN 12831 ermitteln. Mehr zur Auslegung im Artikel Die richtige Kühlleistung finden.

Wohlbefinden: Warme Luft ist nicht dasselbe wie Strahlungswärme

Heizkörper und Fußbodenheizung geben einen guten Teil ihrer Wärme als Strahlung ab. Eine Klimaanlage heizt über die Luft. Das ist schnell, aber manche Menschen empfinden die Luftbewegung als unruhig oder zugig, vor allem bei hoher Gebläsestufe. Moderne Geräte lassen sich so einstellen, dass die Luft an Wand und Decke entlang geführt wird und nicht auf die Sitzecke zielt.

Oft hört man, eine Klimaanlage trockne die Luft aus. Beim Heizen stimmt das so nicht: Kalte Winterluft enthält wenig Wasser, und wird sie erwärmt, sinkt die relative Feuchte. Das passiert beim Heizkörper genauso. Wer empfindliche Atemwege hat, achtet im Winter auf 40 bis 60 Prozent Luftfeuchte und regelmäßig gereinigte Filter. Ein sauberer Filter kann Staub und Pollen aus der Raumluft holen, ein verschmutzter verteilt sie. Die Klimaanlage ist kein Medizinprodukt, sie kann aber zu einem Raumklima beitragen, in dem man sich wohler fühlt.

Nachhaltigkeit: Doppelt nutzen statt doppelt kaufen

Eine Anlage, die im Sommer kühlt und im Winter heizt, nutzt dasselbe Material zweimal. Mit jedem Jahr, in dem der Strommix sauberer wird, sinkt der CO₂-Ausstoß pro kWh Wärme weiter. Beim Umweltbundesamt lag der Emissionsfaktor für Strom 2025 bei 344 g/kWh, 2023 waren es noch 379 g/kWh. Beim Gas bleibt es physikalisch bei rund 200 g/kWh, dazu kommt ein CO₂-Preis, der politisch eher steigen als fallen dürfte.

Bei der Geräteauswahl lohnt der Blick aufs Kältemittel. Propan (R290) hat ein Treibhauspotenzial von rund 3, das verbreitete R32 von rund 675.

Förderung und Rechtliches, Stand 09/2026

Förderung: Eine Luft-Luft-Wärmepumpe kann über die KfW-Heizungsförderung (Programm 458) gefördert werden, wenn sie die bisherige fossile Heizung vollständig ersetzt, als förderfähig gelistet ist und die technischen Mindestanforderungen erfüllt. Eine Klimaanlage, die nur zusätzlich zur Gasheizung läuft, wird nicht gefördert. Seit dem 21. Juli 2026 gelten neue Konditionen: Die Grundförderung liegt bei 30 %, der Effizienzbonus ist entfallen, der Klimageschwindigkeitsbonus sinkt schrittweise, und die Einkommensboni wurden neu gestaffelt. Weitere Absenkungen sind angekündigt. Stand 09/2026, bitte vor Antrag aktuell prüfen – wir machen das für Sie. Als eingetragenes Fachunternehmen in der Energieeffizienz-Expertenliste können wir die nötige Bestätigung zum Antrag ausstellen.

Gebäudemodernisierungsgesetz: Seit Ende Juli 2026 gilt das neue Gebäudemodernisierungsgesetz. Die frühere 65-Prozent-Regel für neue Heizungen ist entfallen. Das heißt: Sie müssen nicht auf eine Wärmepumpe umsteigen, Sie können aber.

Stromnetz: Luft-Luft-Wärmepumpen und Klimageräte mit mehr als 4,2 kW elektrischer Anschlussleistung gelten als steuerbare Verbrauchseinrichtungen nach § 14a EnWG. Dafür gibt es reduzierte Netzentgelte. Die meisten Einzelraumgeräte liegen deutlich darunter. Die Anmeldung beim Netzbetreiber läuft in Abstimmung mit dem Elektro-Fachbetrieb.

Typische Fehler

  • Gerät nur nach Kühllast ausgewählt. Im Januar reicht die Leistung dann nicht.
  • Wandgerät hoch oben im Raum, der hauptsächlich beheizt wird. Warmer Kopf, kalte Füße.
  • Außengerät ohne freien Kondensatablauf. Beim Abtauen entsteht Wasser, das im Winter gefriert.
  • Reihenfolge bei der Förderung falsch. Bei der KfW kommt zuerst ein Liefer- und Leistungsvertrag, der an die Förderzusage geknüpft ist, dann der Antrag und erst danach der Einbau. Wer vorher anfängt, verliert den Zuschuss.
  • Warmwasser vergessen. Wer die Gasheizung abbaut, braucht eine neue Lösung für die Dusche.

Kurz gesagt

  • Jede Split-Klimaanlage mit Heizfunktion ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe.
  • In der Übergangszeit spart sie gegenüber Gas spürbar Kosten und CO₂.
  • Als alleinige Heizung passt sie zu gut gedämmten, kompakten Häusern, nicht zu jedem Altbau.
  • Gefördert wird nur der vollständige Ersatz der fossilen Heizung, Konditionen seit 21.07.2026 neu.
  • Wer heizen will, legt nach Heizlast aus und denkt ans Warmwasser.

Ob Ihre Räume sich für das Heizen mit einer Klimaanlage eignen, klären wir gern bei einem Termin vor Ort im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart. Mehr Informationen finden Sie auf unserer Seite Klimaanlagen.

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