Pollenallergie: Wie eine Lüftung wirklich hilft
Im März fängt die Hasel an, dann kommen Birke, Gräser, Beifuß. Wer Heuschnupfen hat, steht vor der Wahl: Fenster auf und niesen, oder Fenster zu und schlechte Luft. Eine Lüftungsanlage mit dem richtigen Filter löst diesen Widerspruch zu einem großen Teil. Was sie kann, was nicht, und worauf es beim Filter ankommt, steht hier.
Wie viele betroffen sind
Laut der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) des Robert Koch-Instituts hatten 14,8 Prozent der Erwachsenen im Lauf ihres Lebens die ärztliche Diagnose Heuschnupfen, fachlich allergische Rhinokonjunktivitis. Das ist etwa jeder Siebte. In der Region Stuttgart mit Streuobstwiesen, Wald und Wiesen ringsum ist die Saison lang, und in der Kessellage bleibt Luft an ruhigen Tagen gern stehen.
Was Pollen mit dem Fenster zu tun haben
Pollenkörner sind vergleichsweise groß, meist zwischen etwa 10 und 100 Mikrometern. Beim Stoßlüften kommen sie trotzdem in großen Mengen herein und legen sich auf Böden, Textilien und Bettwäsche. Ein häufiger Rat lautet: In der Stadt morgens lüften, auf dem Land abends, weil die Pollenkonzentration zu diesen Tageszeiten jeweils niedriger ist. Das hilft, setzt aber voraus, dass jemand zu Hause ist und daran denkt. Und nachts bleibt das Schlafzimmer entweder zu oder offen.
Dazu kommt ein weniger bekannter Punkt: Pollenkörner können bei hoher Luftfeuchte oder nach Regen aufplatzen. Die Bruchstücke, an denen Allergene haften, sind deutlich kleiner als das ganze Korn und reichen bis in den Feinstaubbereich. Das ist der Grund, warum die Filterklasse wichtig ist.
Filterklassen nach ISO 16890 verständlich
Seit 2018 werden Luftfilter für die Lüftungstechnik nach der Norm ISO 16890 eingestuft. Die alten Klassen G4, M5 oder F7 nach EN 779 gelten nicht mehr, tauchen aber in Prospekten noch auf. Die neuen Gruppen:
- ISO Coarse: Grobfilter. Scheidet weniger als 50 Prozent der Partikel bis 10 µm ab. Hält Insekten, Blätter und groben Staub zurück, ganze Pollenkörner zum Teil.
- ISO ePM10: Scheidet mindestens 50 Prozent der Partikel bis 10 µm ab. Hält den größten Teil der ganzen Pollenkörner zurück.
- ISO ePM2,5: mindestens 50 Prozent der Partikel bis 2,5 µm.
- ISO ePM1: mindestens 50 Prozent der Partikel bis 1 µm. Hier werden auch feine Pollenbruchstücke und ein Großteil des Feinstaubs erfasst.
Die Zahl dahinter nennt den Abscheidegrad in 5-Prozent-Schritten. Ein Filter "ISO ePM1 55 %" hält also mindestens 55 Prozent der Partikel bis 1 µm zurück, größere Partikel entsprechend mehr. Grob entspricht das dem früheren F7.
Unsere Empfehlung für Allergiker: Zuluftfilter ISO ePM1, mindestens 50 Prozent, bei zentralen Anlagen gern höher. Die Abluft braucht keinen Feinfilter, dort reicht ein Grobfilter zum Schutz des Geräts. Bei dezentralen Geräten vorher prüfen, ob der Hersteller für Ihr Modell überhaupt einen ePM1-Filter anbietet. Nicht jedes Gerät hat Platz dafür. Mehr zur Geräteauswahl in Die passende dezentrale Wohnraumlüftung finden.
Rechenbeispiel: Was der Feinfilter kostet
Ein Feinfilter hat mehr Luftwiderstand. Der Ventilator muss etwas mehr arbeiten. Die Annahmen für ein Einfamilienhaus mit zentraler Anlage:
- Luftmenge 150 m³/h, Ventilatorleistung mit Grobfilter rund 45 W
- mit ePM1-Zuluftfilter angenommen rund 15 Prozent mehr, also etwa 52 W
- Dauerbetrieb, Strom 37 ct/kWh
- Filtersatz ePM1 grob 30 bis 60 €, Wechsel zweimal im Jahr
Mehrverbrauch Strom: 7 W × 8.760 h ≈ 61 kWh, also rund 23 € im Jahr Filter: rund 60 bis 120 € im Jahr
Macht zusammen grob 80 bis 140 € im Jahr für deutlich weniger Pollen im Haus. Zum Vergleich: Ein mobiler Luftreiniger im Schlafzimmer braucht nachts ebenfalls Strom und Filter, bringt aber keine Frischluft. Und die Lüftungsanlage läuft im Frühjahr ohnehin, weil die Heizperiode im März und April noch nicht vorbei ist. Die Wärmerückgewinnung spart in diesen Monaten weiter Heizenergie, die beim Stoßlüften verloren ginge. Wie viel, steht in Die effizienteste Art zu lüften.
Gesundheit: Entlasten, nicht heilen
Als Heilpraktikerin sage ich das ganz bewusst: Eine Lüftungsanlage behandelt keine Allergie und ersetzt keine ärztliche Therapie. Was sie kann, ist die Pollenmenge in der Raumluft senken, gerade im Schlafzimmer und gerade nachts, wenn das Fenster sonst offen oder gekippt wäre. Weniger Pollen in der Luft kann die Beschwerden spürbar entlasten und die Nächte ruhiger machen. Wer tagsüber draußen unterwegs ist, bringt Pollen aber weiter mit ins Haus, an Haaren und Kleidung. Das Haarewaschen am Abend und die Straßenkleidung außerhalb des Schlafzimmers bleiben deshalb sinnvoll.
Ein zweiter Punkt: Eine geregelte Lüftung hält die Luftfeuchte gleichmäßiger. Das macht es Hausstaubmilben und Schimmelpilzen schwerer, die für manche Allergiker ebenfalls eine Rolle spielen. Wie stark jemand davon profitiert, ist individuell. Besprechen Sie Ihre Beschwerden mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Nachhaltigkeit: Filter wechseln, nicht Geräte
Filter sind Verbrauchsmaterial, und das darf man nicht schönreden. Aber ein Filtersatz im halben Jahr ist wenig Abfall im Vergleich zu dem, was er leistet. Wichtig ist, den Filter rechtzeitig zu wechseln: Ein zugesetzter Filter erhöht den Stromverbrauch, senkt die Luftmenge und kann bei Feuchte zum Nährboden werden. Bei zentralen Anlagen lohnt sich oft ein Filter mit größerer Fläche: Er setzt sich langsamer zu und hat weniger Luftwiderstand. Und eine Anlage, die jahrelang gepflegt wird, ist nachhaltiger als jedes Zusatzgerät.
Typische Fehler
- Standardfilter nie gegen einen Feinfilter getauscht. Viele Geräte kommen ab Werk nur mit Grobfilter.
- Filterwechsel im Herbst statt vor der Saison. Der beste Zeitpunkt für den frischen ePM1-Filter ist Februar, vor der Hasel- und Birkenblüte.
- Fenster trotzdem nachts gekippt. Dann nützt der beste Filter wenig.
- Filter falsch herum oder mit Spalt eingesetzt. Luft sucht sich den leichtesten Weg, und der führt am Filter vorbei.
- Außenluftansaugung neben der Wiese oder der Hecke. Wo möglich, lieber an einer Stelle mit weniger Bewuchs ansaugen.
Checkliste für Allergiker
- Welche Filterklasse hat Ihr Gerät in der Zuluft, und gibt es ePM1?
- Wann wurde der Filter zuletzt gewechselt?
- Sitzt der Filter dicht im Rahmen?
- Bleiben die Fenster in der Saison nachts geschlossen?
- Läuft die Anlage auch nachts auf einer leisen Stufe?
- Welche Pollen belasten Sie, und wann blühen sie? Die Pollenflugvorhersage des Deutschen Wetterdienstes und der Pollenflugkalender der Stiftung Deutscher Polleninformationsdienst helfen bei der Planung.
Kurz gesagt
- Eine Lüftung mit Feinfilter kann die Pollenmenge in der Raumluft deutlich senken, ist aber keine Therapie.
- Für Allergiker: Zuluftfilter ISO ePM1, mindestens 50 Prozent.
- Grobfilter halten Insekten und Staub ab, nicht aber feine Pollenbruchstücke.
- Feinfilter und etwas Mehrstrom kosten im Beispiel grob 80 bis 140 € im Jahr.
- Filter vor der Saison wechseln, Fenster nachts geschlossen halten.
Sie möchten wissen, ob Ihre Anlage einen Feinfilter kann, oder planen eine Lüftung mit Blick auf Heuschnupfen? Wir beraten Sie im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart. Mehr zur Wohnraumlüftung.
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