Start › Blog › Richtig kühlen

Lesezeit 7 Min. · Stand September 2026

Serverraum-Kühlung: Warum ein Standard-Klimagerät hier nicht reicht

In vielen Betrieben ist der Serverraum eine ehemalige Abstellkammer mit einem Rack, einer USV und einem Wandgerät über der Tür. Das läuft, bis es nicht mehr läuft. Meistens an einem Wochenende, oft im Winter. Hier steht, was ein Serverraum wirklich braucht und wo ein normales Klimagerät an seine Grenzen kommt.

Was im Serverraum anders ist

Ein Büro wird gekühlt, weil Menschen darin schwitzen. Ein Serverraum wird gekühlt, weil Technik fast ihre gesamte Stromaufnahme als Wärme abgibt. Das hat vier Folgen.

Die Last ist konstant. Ein Server mit 500 W braucht auch nachts und an Weihnachten 500 W. Ein kleines Rack mit 3 kW gibt rund 26.000 kWh Wärme im Jahr ab. Das ist ungefähr der Heizwärmebedarf eines unsanierten Einfamilienhauses, nur eben als Dauerlast.

Es muss auch im Winter gekühlt werden. Viele Komfort-Splitgeräte sind im Kühlbetrieb nur bis etwa −10 °C Außentemperatur freigegeben. Auf der Schwäbischen Alb und selbst im Kreis Böblingen gibt es Nächte darunter. Das Gerät schaltet dann ab oder vereist, und der Raum heizt sich auf.

Es ist trockene Wärme. Komfortgeräte sind darauf ausgelegt, einen erheblichen Teil ihrer Leistung zum Entfeuchten zu verwenden, weil Menschen Feuchtigkeit abgeben. Im Serverraum gibt es kaum Feuchte. Die Entfeuchtungsleistung ist verschenkt, und im Winter kann die Luft zu trocken werden. Präzisionsklimageräte kühlen dagegen fast nur fühlbare Wärme.

Ausfall ist teuer. Ein Raum mit 3 kW Last und ohne Kühlung erreicht je nach Größe und Wänden innerhalb von Stunden Temperaturen, bei denen Server sich abschalten. Was ein Tag ohne Warenwirtschaft, Kasse oder Mailserver kostet, weiß jeder Betrieb selbst.

Welche Temperatur ist richtig?

Hier wird am meisten Strom verschwendet. Viele Serverräume laufen auf 18 °C, „weil kalt gut ist". Die internationale Referenz ist die Richtlinie der ASHRAE für IT-Räume. Sie empfiehlt eine Zulufttemperatur an den Geräten von 18 bis 27 °C, einen Taupunkt zwischen −9 und +15 °C und maximal 60 % relative Feuchte. Zulässig ist für die gängige Geräteklasse A1 sogar 15 bis 32 °C.

Entscheidend ist die Temperatur, die vorne am Server ankommt, nicht die am Thermostat des Wandgeräts. Wir messen deshalb an den Racks, nicht an der Tür. Praxisbewährt sind 22 bis 25 °C Zuluft. Welche Grenzen Ihr Hersteller in der Garantie nennt, sollten Sie trotzdem nachlesen.

Rechenbeispiel: 18 °C oder 24 °C

Annahmen: Kleiner Serverraum mit 3 kW IT-Last rund um die Uhr. Kühlung mit Jahresleistungszahl 3,5 bei 24 °C Sollwert. Als Faustwert rund 3 % Mehrverbrauch je Kelvin tiefere Raumtemperatur. Gewerbestrom 27 ct/kWh netto (Annahme, bitte mit Ihrem Tarif rechnen). CO₂ 344 g/kWh (Umweltbundesamt, Strommix 2025).

  • Wärme: 3 kW × 8.760 h = 26.280 kWh im Jahr
  • Kühlstrom bei 24 °C: 26.280 ÷ 3,5 ≈ 7.510 kWh → rund 2.030 € im Jahr
  • Bei 18 °C: 6 K × 3 % ≈ 18 % mehr, also rund 1.350 kWh → rund 365 € mehr im Jahr, knapp eine halbe Tonne CO₂

Dazu kommt ein Effekt, den das Beispiel nicht abbildet: Ein Wandgerät, das auf 18 °C ackert, läuft häufiger an der Grenze, vereist eher und hält kürzer.

Was ein Serverraum braucht

Für den Winter freigegeben. Entweder ein Gerät, das der Hersteller für Kühlbetrieb bis −20 °C oder tiefer freigibt, oder ein Gerät mit Winterregelung. Das steht im Datenblatt, oft klein. Wir prüfen es vor dem Angebot.

Redundanz. Für alles, was wirklich wichtig ist, planen wir zwei Geräte, die sich abwechseln. Fällt eines aus, übernimmt das andere. Nebenbei verteilt der Wechselbetrieb die Laufzeit und beide halten länger.

Alarmierung. Ein Temperaturfühler am Rack, der bei Überschreitung eine Nachricht aufs Handy schickt. Das kostet wenig und rettet das Wochenende. Viele USV und Netzwerkschränke haben den Anschluss dafür schon.

Luftführung. Kalte Luft vorne rein, warme hinten raus. Blindplatten in leere Höheneinheiten, keine Kartons vor dem Rack, das Innengerät so, dass es nicht die eigene Abluft wieder ansaugt. In kleinen Räumen macht das oft mehr aus als ein stärkeres Gerät.

Kondensat. Die Kondensatleitung darf nicht über dem Rack verlaufen. Klingt selbstverständlich. Sehen wir trotzdem.

Stromversorgung. Das Klimagerät hängt nicht an der USV, sollte aber nach einem Stromausfall selbstständig wieder anlaufen. Die Autorestart-Funktion ist nicht bei jedem Gerät ab Werk aktiv. Die elektrische Einbindung erfolgt in Abstimmung mit Ihrem Elektro-Fachbetrieb.

Menschen im Serverraum

Im Serverraum arbeitet niemand dauerhaft, deshalb gelten dort keine Komfortansprüche. Wer aber den Serverraum zum Sparen auf 27 °C Zuluft fährt, hat an der Rückseite der Racks schnell 40 °C. Für kurze Arbeiten ist das kein Problem. Wer dort längere Zeit etwas umbaut, sollte das einplanen, genug trinken und Pausen machen.

Häufiger ist ein anderes Problem: Der Serverschrank steht nicht in einem eigenen Raum, sondern im Büro oder im Flur. Dann heizt er das Büro. 1 kW Dauerlast ist im Sommer spürbar, und die Mitarbeitenden daneben arbeiten bei 28 °C, während der Rest im Haus 25 °C hat. Konzentration und Fehlerquote leiden. Ein eigener, gekühlter Raum oder ein gekühlter Schrank ist hier auch eine Frage des Arbeitsplatzes.

Nachhaltigkeit: Abwärme ist Wärme

26.000 kWh Wärme im Jahr einfach hinauszublasen, ist eigentlich schade. Wo die Gegebenheiten passen, kann die Abwärme angrenzende Räume mitheizen, zum Beispiel über eine Wärmepumpe oder eine Anlage, die im Winter die Serverraumluft ins Lager leitet.

Im Winter geht auch freie Kühlung: Bei Außentemperaturen unter etwa 15 °C kann gefilterte Außenluft einen Teil der Kühlung übernehmen. Das lohnt sich eher ab mittleren Lasten und braucht Filter, Feuchteüberwachung und eine saubere Planung.

Die Pflichten des Energieeffizienzgesetzes für Rechenzentren betreffen kleine Serverräume übrigens nicht. Sie greifen nach geltendem Recht erst ab 300 kW Anschlussleistung, und die im Juni 2026 im Kabinett beschlossene Novelle soll die Schwelle weiter anheben. Stand 09/2026.

Beim Kältemittel gilt: Ab 2029 dürfen neue Split-Geräte bis 12 kW nur noch Kältemittel mit einem GWP unter 150 enthalten. Wer jetzt neu plant, sollte das im Blick haben, auch wegen der Ersatzteile.

Typische Fehler aus der Praxis

  • Komfort-Wandgerät ohne Winterfreigabe, nur ein Gerät, kein Alarm.
  • Sollwert 18 °C am Wandgerät, gemessen an der Tür statt am Rack.
  • Das Gerät bläst gegen die Rückseite der Racks.
  • Kondensatleitung über dem Rack, Kondensatpumpe ohne Überwachung.
  • Nach dem Stromausfall läuft der Server wieder, die Kühlung nicht.
  • Server wurden nachgerüstet, die Kühlung nicht.

Kurz gesagt

  • Ein Serverraum braucht Kühlung an 8.760 Stunden im Jahr, auch bei Frost.
  • 22 bis 25 °C Zuluft am Rack reichen, 18 °C kosten nur Strom.
  • Zwei Geräte im Wechsel plus Temperaturalarm sind die wichtigste Versicherung.
  • Komfortgeräte verschwenden im Serverraum Leistung fürs Entfeuchten.
  • Die Abwärme ist ein Wärmeangebot, das man nutzen kann.

Wir planen Serverraum-Kühlung für kleine und mittlere Betriebe, mit Redundanz und Alarmierung. Mehr zu Kälteanlagen und Beratung im Raum Schönaich, Sindelfingen, Böblingen und Stuttgart.

Weiterlesen: Prozesskälte oder Komfortkühlung? · Wartungsvertrag für Kälteanlagen

Fragen zu richtig kühlen?

Wir beraten Sie ehrlich, ob und wie sich das für Ihr Gebäude lohnt.

Beratung anfragen