Klimaanlage im Altbau: Geht das ohne Kernbohrung?
Im Altbau wird es im Sommer oben heiß und bleibt es oft bis in die Nacht. Gleichzeitig will niemand ein Loch durch eine Fassade von 1910 bohren. Die ehrliche Antwort vorweg: Ganz ohne Öffnung nach draußen geht es bei einer richtigen Klimaanlage nicht. Aber das Loch muss nicht immer dort sein, wo man es zuerst vermutet.
Warum eine Verbindung nach draußen sein muss
Eine Klimaanlage schafft Wärme aus dem Raum hinaus (wie genau, erklärt der Artikel Wie funktioniert eine Klimaanlage). Diese Wärme muss irgendwo hin. Bei einem Split-Gerät laufen dafür zwei gedämmte Kältemittelleitungen, ein Kondensatschlauch und ein Steuerkabel vom Innengerät zum Außengerät. Das Bündel ist ungefähr so dick wie ein Unterarm. Für die klassische Montage bohren wir dafür ein Loch von etwa 60 bis 80 mm Durchmesser durch die Außenwand.
Die Alternativen zur neuen Bohrung
1. Vorhandene Öffnungen nutzen. Im Altbau gibt es mehr davon, als man denkt: ein stillgelegter Kaminzug, ein alter Lüftungsschacht, eine Durchführung für eine frühere Ofenleitung, ein Leerrohr zum Dachboden. Beim Kamin muss der Bezirksschornsteinfeger zustimmen, und der Zug darf nicht mehr für eine Feuerstätte gebraucht werden.
2. Über den Dachboden oder den Keller. Liegt das zu kühlende Zimmer direkt unter dem Dachboden, laufen die Leitungen oft durch die Decke nach oben und von dort über eine vorhandene Öffnung oder durch das Dach nach draußen. Umgekehrt geht es über den Keller. Die Wege werden länger, aber die Fassade bleibt unberührt.
3. Durch den Fensterrahmen. Bei manchen Fenstern lässt sich ein Oberlicht oder ein kleines Feld durch eine gedämmte Platte ersetzen, durch die die Leitungen laufen. Das ist sauber und rückbaubar, braucht aber ein passendes Fenster und im Mietverhältnis die Zustimmung des Vermieters. Leitungen einfach durchs gekippte Fenster zu klemmen, ist keine Lösung.
4. Monoblock-Klimagerät ohne Außeneinheit. Diese Geräte hängen innen an der Außenwand und brauchen kein Außengerät. Dafür benötigen sie meist zwei Öffnungen mit rund 150 bis 200 mm Durchmesser, für Ansaug- und Fortluft. Das heißt: Weniger sichtbare Technik außen, aber mehr Bohrung, nicht weniger. Außerdem sind sie lauter als Split-Geräte, weil der Verdichter im Raum sitzt.
5. Mobiles Klimagerät. Keine Bohrung, dafür ein Schlauch aus dem Fenster. Für ein paar heiße Tage im Jahr kann das eine Übergangslösung sein. Als Dauerlösung ist es teuer, laut und im Dachgeschoss oft überfordert.
Rechenbeispiel: Was die „bohrfreie" Lösung kostet
Annahmen: Dachgeschosszimmer mit 2,5 kW Kühlbedarf, 350 Volllaststunden (Rechenwert des EU-Energielabels, in heißen Sommern unter dem Dach oft mehr), Strompreis 37 ct/kWh (BDEW-Durchschnitt Haushalte, August 2026).
| Split-Gerät (SEER 7) | Mobiles Gerät (EER ca. 2,6) | |
|---|---|---|
| Strom pro Jahr | ca. 125 kWh | ca. 337 kWh |
| Kosten pro Jahr | ca. 46 € | ca. 125 € |
| Über 12 Jahre | ca. 550 € | ca. 1.500 € |
Fast 1.000 € Strom über die Nutzungsdauer sind Geld, das in einer sorgfältig geführten Leitung über Dachboden oder Kaminzug besser angelegt ist. Dazu kommt, dass ein mobiles Gerät die kühle Luft teilweise zum Fenster hinausbläst und warme Luft nachzieht. Die Rechnung oben ist für das mobile Gerät also noch freundlich.
Denkmalschutz, WEG und Mietwohnung
Denkmalschutz: Bei Kulturdenkmalen braucht jede Veränderung an Fassade, Dach oder Fenstern in Baden-Württemberg eine Genehmigung der Denkmalschutzbehörde. Außengeräte auf der Straßenseite sind da selten genehmigungsfähig, auf der Hofseite oder im Dachbereich eher. Sprechen Sie das Amt früh an, bevor Geräte bestellt sind.
Eigentümergemeinschaft: Das Außengerät und die Wandöffnung betreffen Gemeinschaftseigentum, dafür braucht es einen Beschluss. Der Bundesgerichtshof hat im Juli 2026 (V ZR 162/25) entschieden, dass ein Eigentümer die Gestattung eines Split-Geräts verlangen kann, wenn die anderen dadurch nicht über das bei geordnetem Zusammenleben unvermeidliche Maß hinaus beeinträchtigt werden. Die Kosten für Einbau, Betrieb und einen späteren Rückbau trägt der Eigentümer selbst.
Mietwohnung: Ohne Zustimmung des Vermieters keine Bohrung und kein Außengerät. Eine sauber rückbaubare Lösung, etwa über ein Fensterelement, erhöht die Chancen.
Altbau und Raumklima
Altbauten haben oft ein gutes Sommerverhalten im Erdgeschoss, dicke Wände puffern die Hitze. Unter dem Dach sieht es anders aus. Dort stauen sich im Hochsommer Temperaturen, die für Kinder, ältere Menschen und alle mit Herz-Kreislauf-Beschwerden eine echte Belastung sind. Das Robert Koch-Institut schätzt für den Sommer 2025 rund 2.600 hitzebedingte Sterbefälle in Deutschland, mehr als die Hälfte davon bei über 85-Jährigen. Eine gekühlte Dachwohnung kann gerade für ältere Bewohner eine spürbare Entlastung sein.
Ein Punkt, der im Altbau besonders zählt: Feuchtigkeit. Das Kondensat aus dem Innengerät muss zuverlässig abfließen. Läuft es in die Wand oder tropft an der Fassade herunter, holt man sich Schimmel und Frostschäden ins Haus. Und gekühlte Leitungen, die schlecht gedämmt durch kühle Bereiche laufen, schwitzen. Deshalb dämmen wir die Leitungen durchgehend und dichten jede Durchführung luftdicht und schlagregendicht ab.
Nachhaltigkeit im Bestand
Ein Altbau, der erhalten bleibt, ist die nachhaltigste Wohnung, die es gibt. Eine gut gemachte Klimaanlage hilft, ihn im Sommer bewohnbar zu halten, ohne in die Substanz einzugreifen. Bevor wir kühlen, prüfen wir aber, was sich passiv holen lässt: Außenverschattung, nächtliches Querlüften, Dämmung der obersten Geschossdecke. Für viele Bestandsgebäude schreibt das Gebäudeenergierecht diese Dämmung ohnehin vor, und sie hilft im Winter genauso.
Wer die Anlage auch zum Heizen einsetzen will, sollte im Altbau die Heizlast kennen. Mehr dazu im Artikel Klimaanlage kann auch heizen.
Typische Fehler im Altbau
- Leitungen durchs gekippte Fenster geklemmt. Undicht, Einbruchrisiko, Kondenswasser.
- Bohrung durch einen tragenden Holzbalken im Fachwerk. Vorher klären, wo Gefach und wo Balken ist.
- Kondensat ohne Gefälle. Im Altbau mit krummen Decken ein Klassiker. Notfalls hilft eine kleine Kondensatpumpe.
- Durchführung nicht abgedichtet. Zugluft, Wärmebrücke, Feuchteschäden.
- Außengerät auf einem Balkon aus Holz ohne Schwingungsdämpfer. Das brummt durchs ganze Haus.
- Stromanschluss improvisiert. Die Anlage braucht einen eigenen, passend abgesicherten Stromkreis. Den Anschluss übernimmt ein Elektro-Fachbetrieb, mit dem wir uns abstimmen.
Kurz gesagt
- Ganz ohne Verbindung nach draußen geht es nicht, aber oft ohne neue Fassadenbohrung.
- Kamine, Schächte, Dachboden und Fensterelemente sind im Altbau oft gute Wege.
- Monoblock-Geräte ohne Außeneinheit brauchen größere Bohrungen, nicht kleinere.
- Mobile Geräte kosten über die Jahre deutlich mehr Strom.
- Denkmalamt, WEG oder Vermieter vor der Bestellung einbinden.
Sie wohnen in einem Altbau in Schönaich, Böblingen oder Stuttgart und suchen den besten Weg für Ihre Leitungen? Wir schauen uns das vor Ort an. Mehr zu unseren Lösungen finden Sie auf der Seite Klimaanlagen.
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