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Lesezeit 8 Min. · Stand September 2026

Luft-Wasser-Wärmepumpe oder Erdwärme: Was passt wann?

Erdwärme ist effizienter, Luft ist in der Anschaffung günstiger. So weit die Kurzfassung. Welche Variante sich für Sie rechnet, hängt vom Grundstück, vom Untergrund und davon ab, wie lange Sie im Haus bleiben wollen. Hier sind die Unterschiede, mit ehrlichen Zahlen.

Der Unterschied liegt in der Wärmequelle

Beide Systeme arbeiten mit dem gleichen Kältekreis (wie der funktioniert, steht im Artikel Wie funktioniert eine Wärmepumpe?). Der Unterschied ist, woher die Wärme kommt.

Die Luft-Wasser-Wärmepumpe holt sie aus der Außenluft. Das Problem: Gerade dann, wenn Sie am meisten Wärme brauchen, ist die Luft am kältesten. Bei minus 10 Grad muss der Verdichter deutlich mehr arbeiten als bei plus 7.

Die Sole-Wasser-Wärmepumpe holt die Wärme aus dem Erdreich, meist über eine oder mehrere Erdwärmesonden, die 50 bis 150 Meter tief gebohrt werden. Dort unten liegt die Temperatur das ganze Jahr bei rund 10 Grad. Die Wärmepumpe arbeitet also im Januar unter fast den gleichen Bedingungen wie im Oktober. Alternativ gibt es flach verlegte Erdkollektoren, die brauchen aber viel Gartenfläche.

Die Effizienz im echten Betrieb

Der Feldtest des Fraunhofer ISE in Bestandsgebäuden (Abschlussbericht 2025) liefert dafür belastbare Zahlen:

  • Luft-Wasser: Jahresarbeitszahl im Mittel 3,4, Spanne 2,6 bis 4,9
  • Sole-Wasser (Erdreich): Jahresarbeitszahl im Mittel 4,3, Spanne 3,6 bis 5,4

Die schlechteste Erdwärmepumpe im Test lag damit ungefähr auf dem Niveau einer durchschnittlichen Luft-Wasser-Wärmepumpe. Auffällig war auch der Heizstab: Bei Luft-Wasser machte er im Mittel rund 1,3 Prozent des Stromverbrauchs aus, bei Erdwärme fast nichts.

Rechenbeispiel: Was die Bohrung im Betrieb spart

Annahmen: Einfamilienhaus, 18.000 kWh Wärmebedarf im Jahr inklusive Warmwasser. Jahresarbeitszahlen nach den Fraunhofer-Mittelwerten. Strom angenommen mit Wärmepumpentarif 27 ct/kWh; mit Haushaltsstrom 37 ct/kWh (BDEW, August 2026) in Klammern.

Luft-Wasser Erdwärme
Strombedarf ca. 5.294 kWh ca. 4.186 kWh
Stromkosten pro Jahr ca. 1.429 € (1.959 €) ca. 1.130 € (1.549 €)
CO₂ pro Jahr (344 g/kWh, UBA 2025) ca. 1,8 t ca. 1,4 t

Die Erdwärme spart rund 300 € Strom im Jahr, mit Haushaltstarif rund 410 €. Über 20 Jahre sind das bei heutigen Preisen rund 6.000 € (mit Haushaltsstrom rund 8.200 €) und gut 7 Tonnen CO₂.

Dem steht der Mehrpreis der Bohrung gegenüber. Den bestimmen Bohrtiefe und Zahl der Sonden, der Untergrund, Auflagen aus der wasserrechtlichen Erlaubnis und die Zufahrt für das Bohrgerät. Das lässt sich erst nach der Abfrage im ISONG und einem Termin vor Ort seriös beziffern. Als Faustregel: Liegt der Mehrpreis deutlich über der Stromersparnis von 20 Jahren, holt die Erdwärme ihn mit dem ersten Gerät allein nicht herein.

Die Förderung gleicht das nicht aus: Die förderfähigen Kosten sind seit 21. Juli 2026 auf 28.000 € für die erste Wohneinheit gedeckelt, bei 46 % also höchstens 12.880 €. Im Bestand liegen beide Varianten in aller Regel über dieser Grenze. Der Zuschuss ist dann gleich hoch, den Mehrpreis der Bohrung zahlen Sie komplett selbst. Einen Effizienzbonus für Erdwärme gibt es seit Juli 2026 nicht mehr.

Heißt das, Erdwärme lohnt sich nie? Nein. Die Erdsonde hält erfahrungsgemäß weit länger als die Wärmepumpe selbst, nach 20 Jahren wird nur das Gerät getauscht, die Bohrung bleibt. Beim zweiten Gerät ist die Erdwärme dann klar im Vorteil. Wer das Haus für die nächste Generation saniert, rechnet anders als jemand, der in zehn Jahren verkaufen will.

Genehmigung und Untergrund in Baden-Württemberg

Eine Erdwärmesonde ist in Baden-Württemberg erlaubnispflichtig, zuständig ist das Landratsamt als untere Wasserbehörde. Einen ersten Eindruck, ob an Ihrer Adresse gebohrt werden darf und mit welchen Einschränkungen, gibt das Informationssystem ISONG des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau. In Teilen der Region liegen quellfähige Gipskeuper-Schichten oder Wasserschutzgebiete im Untergrund, dort wird die Bohrtiefe begrenzt oder die Bohrung ganz untersagt. Das sollte vor jeder Planung geklärt sein. Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe braucht dagegen keine wasserrechtliche Erlaubnis, dafür aber einen gut gewählten Aufstellort mit Rücksicht auf die Nachbarn. Mehr dazu im Artikel Wie laut ist eine Wärmepumpe?.

Entscheidungshilfe

Luft-Wasser passt meist, wenn - das Budget begrenzt ist oder die Bohrung nicht erlaubt ist, - das Haus einen normalen bis geringen Wärmebedarf hat, - ein Aufstellort mit ausreichendem Abstand zum Nachbarn vorhanden ist, - Sie in absehbarer Zeit verkaufen könnten.

Erdwärme lohnt den Blick, wenn - der Wärmebedarf hoch ist und viele Betriebsstunden anfallen, - es im dicht bebauten Wohngebiet keinen guten Platz für ein Außengerät gibt, - Sie im Sommer sanft über die Fußbodenheizung kühlen möchten, - Sie langfristig im Haus bleiben und auf 40 Jahre rechnen.

Wohlbefinden: Stille und sanfte Kühlung

Ein Vorteil der Erdwärme taucht in keiner Kostentabelle auf: Es gibt kein Außengerät. Nichts brummt nachts im Garten, der Nachbar hört nichts, Sie selbst auch nicht, wenn im Sommer das Schlafzimmerfenster offen steht. Für Menschen mit leichtem Schlaf kann das den Ausschlag geben.

Dazu kommt die sogenannte passive Kühlung. Im Sommer ist das Erdreich kühler als das Haus. Über eine Fußbodenheizung lässt sich damit sanft temperieren, fast nur mit dem Strom für die Umwälzpumpe. Das ist keine Klimaanlage, die Räume werden eher um zwei, drei Grad angenehmer. Ohne Zugluft und ohne Geräusch. In Hitzeperioden in der Stuttgarter Kessellage kann das den Schlaf spürbar entlasten. Wichtig: Die Vorlauftemperatur muss über dem Taupunkt bleiben, sonst bildet sich Kondenswasser am Boden. Das regelt eine ordentliche Steuerung automatisch.

Nachhaltigkeit

Beide Systeme senken den CO₂-Ausstoß gegenüber Gas deutlich. Im Rechenbeispiel liegt die Luft-Wasser-Anlage bei rund 1,8 Tonnen CO₂ im Jahr, die Erdwärme bei rund 1,4 Tonnen (Strommix 2025, 344 g/kWh, UBA). Ein Gaskessel käme bei gleichem Wärmebedarf auf rund 4 Tonnen. Bei der Erdwärme kommt die Langlebigkeit der Sonde dazu. Bei beiden Systemen gilt: Geräte mit natürlichem Kältemittel wie Propan (R290) haben ein Treibhauspotenzial von rund 3 statt mehrere Hundert. Nach aktuellem Stand fördert die KfW ab 2028 nur noch Wärmepumpen mit natürlichen Kältemitteln.

Typische Fehler

  • Sonde zu kurz gebohrt, um Kosten zu sparen. Das Erdreich kühlt über die Jahre aus, die Effizienz sinkt.
  • Luft-Wasser-Gerät direkt unters Nachbarschlafzimmer gestellt. Ärger ist programmiert.
  • Genehmigung nicht vorab geklärt. Dann steht das Bohrgerät vor der Tür und darf nicht bohren.
  • Nur die Anschaffung verglichen. Wer 40 Jahre im Haus bleibt, sollte Betriebskosten und Lebensdauer mitrechnen.

Kurz gesagt

  • Erdwärme ist im Mittel rund ein Viertel effizienter als Luft-Wasser.
  • Wegen gedeckelter förderfähiger Kosten zahlen Sie die Bohrung weitgehend selbst.
  • Die Sonde überlebt mehrere Wärmepumpen, das spricht für langfristige Eigentümer.
  • In Baden-Württemberg vorab Genehmigung und Untergrund prüfen.
  • Kein Außengerät, sanfte passive Kühlung: Erdwärme punktet bei Ruhe und Sommerkomfort.

Wir planen beide Systeme und sagen Ihnen offen, was sich für Ihr Haus rechnet. Im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart. Mehr zu Wärmepumpen

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