Wärmepumpe heizt und kühlt: Was das im Sommer wirklich bringt
Eine Wärmepumpe ist im Kern eine Kältemaschine, die man rückwärts betreibt. Das ist unser Handwerk. Viele Geräte können den Kreislauf auch umkehren und im Sommer Wärme aus dem Haus holen. Was das bringt, wo die Grenzen liegen und warum der Taupunkt dabei die wichtigste Zahl ist, lesen Sie hier.
So funktioniert Kühlen mit der Wärmepumpe
Beim Heizen nimmt das Kältemittel draußen Wärme auf und gibt sie drinnen ans Heizwasser ab. Beim Kühlen dreht ein Umschaltventil im Kältekreis die Richtung um. Das Heizwasser wird gekühlt, fließt durch Fußboden, Wand oder Decke und nimmt dort Wärme aus den Räumen auf. Man unterscheidet zwei Arten.
Passive Kühlung („natural cooling"): Nur bei Sole-Wasser- oder Wasser-Wasser-Wärmepumpen. Das Erdreich hat in 50 bis 100 Metern Tiefe ganzjährig rund 10 bis 12 °C. Diese Kühle wird über einen Wärmetauscher direkt ins Heizsystem gegeben. Der Verdichter bleibt aus, es laufen nur die Umwälzpumpen. Das ist sehr sparsam und bringt der Erdsonde sogar Wärme zurück, die im Winter wieder zur Verfügung steht. Ob sich eine Erdsonde für Sie lohnt, steht in Luft-Wasser oder Erdwärme?.
Aktive Kühlung: Bei Luft-Wasser-Wärmepumpen und bei Erdwärme, wenn mehr Leistung nötig ist. Hier arbeitet der Verdichter, der Kältekreis läuft umgekehrt. Das kühlt kräftiger, braucht aber mehr Strom.
Die Grenze heißt Taupunkt
Warme Luft kann mehr Wasserdampf halten als kalte. Kühlt man sie an einer kalten Fläche ab, kondensiert irgendwann Wasser. Die Temperatur, bei der das passiert, ist der Taupunkt.
Zwei Beispiele für Raumluft im Sommer:
- 26 °C und 50 % relative Feuchte: Taupunkt etwa 15 °C
- 26 °C und 65 % relative Feuchte: Taupunkt etwa 19 °C
Liegt die Oberfläche des Estrichs oder das Rohr unter diesem Wert, wird der Boden feucht. Im schlimmsten Fall bildet sich Kondenswasser unter Parkett oder im Randbereich, mit Schimmel als Folge. Deshalb gilt bei der Flächenkühlung:
- Vorlauftemperatur meist nicht unter 18 bis 20 °C.
- Ein Taupunktwächter oder Feuchtefühler am Vorlauf oder im Raum schaltet ab oder hebt die Temperatur an, bevor es feucht wird.
- Die Regelung sollte die Raumfeuchte kennen und die Vorlauftemperatur danach führen.
Der Schwäbische Sommer mit schwülen Gewitterlagen im Juli ist genau die Situation, in der ein fehlender Taupunktwächter zum Problem wird.
Was kann man realistisch erwarten?
Flächenkühlung ist keine Klimaanlage. Eine Fußbodenkühlung schafft je nach Aufbau und Bodenbelag etwa 15 bis 30 Watt pro Quadratmeter. Das reicht, um Räume spürbar um zwei bis drei Grad kühler zu halten als ohne Kühlung. Gegen 34 °C Außentemperatur und große, unverschattete Südfenster reicht es meistens nicht.
Außerdem entfeuchtet die Flächenkühlung nicht, weil sie ja gerade oberhalb des Taupunkts bleiben muss. Die Luft wird kühler, die Feuchte bleibt. Wer auch entfeuchten will, braucht Gebläsekonvektoren mit Kondensatablauf oder ergänzend ein Split-Klimagerät.
Mit normalen Heizkörpern funktioniert Kühlen praktisch nicht. Die Fläche ist zu klein, und ein kalter Heizkörper unter dem Taupunkt tropft.
Wichtig bei der Planung: Nicht jede Wärmepumpe kann kühlen. Die Funktion muss im Gerät, in der Hydraulik und in der Regelung vorgesehen sein. Nachrüsten ist oft möglich, aber teurer als gleich mitzuplanen.
Rechenbeispiel: Was Kühlen kostet
Annahmen: Einfamilienhaus mit 120 m² Fußbodenheizung, Kühlleistung 20 W/m² = 2,4 kW, 300 Kühlstunden im Sommer. Gelieferte Kälte: 2,4 kW × 300 h = 720 kWh. Strom 37 ct/kWh (BDEW, August 2026).
- Aktive Kühlung, Luft-Wasser-WP (Leistungszahl im Kühlbetrieb etwa 4, Herstellerangaben liegen je nach Bedingungen oft zwischen 3 und 5): 720 ÷ 4 = 180 kWh ≈ 67 € im Sommer
- Passive Kühlung, Erdsonde (nur Pumpen, zusammen etwa 80 W): 80 W × 300 h = 24 kWh ≈ 9 € im Sommer
Zum Vergleich: Zwei mobile Monoblock-Klimageräte, die dieselbe Kältemenge liefern sollen, brauchen wegen ihrer schlechten Effizienz leicht das Zwei- bis Dreifache und sind dabei laut.
Die Kühlfunktion kostet also im Betrieb wenig. Die Mehrkosten liegen in der Anschaffung: Taupunktwächter, Regelung, gegebenenfalls eine Umschaltgruppe, diffusionsdichte Dämmung der Leitungen und bei Luft-Wasser-Geräten die Kondensatführung. Wie viel davon bei Ihnen nötig ist, hängt an Gerät, Heizflächen und Hydraulik. Das klären wir am besten gleich bei der Planung der Wärmepumpe, dann ist es am günstigsten.
Gesundheit: kühle Nächte sind Erholung
Hitze belastet den Körper. Das Robert Koch-Institut schätzt für Deutschland in heißen Sommern jeweils mehrere tausend hitzebedingte Sterbefälle, betroffen sind vor allem ältere Menschen. Aber auch für Gesunde gilt: Wer nachts im aufgeheizten Dachgeschoss liegt, schläft schlechter, und schlechter Schlaf zeigt sich am nächsten Tag in Konzentration und Laune. Im Sport ist Schlaf die wichtigste Regeneration. Das gilt am Schreibtisch genauso.
Flächenkühlung hat hier einen Vorteil: Sie arbeitet ohne Luftzug und ohne Gebläsegeräusch. Die Kühle kommt als Strahlung von der Fläche, ähnlich wie in einem alten Kirchenschiff. Menschen, die empfindlich auf Zugluft reagieren, empfinden das oft als angenehm.
Nachhaltigkeit: Kühlen ohne zusätzliches Gerät
Wenn die Wärmepumpe sowieso im Keller oder im Garten steht, spart die Kühlfunktion ein zweites Gerät mit eigenem Kältekreis, eigenem Kältemittel und eigener Entsorgung. Bei Erdsonden ist die passive Kühlung besonders sinnvoll: Die Wärme, die im Sommer ins Erdreich geht, regeneriert die Sonde. Gerade bei dicht bebauten Neubaugebieten mit vielen Sonden kann das langfristig die Effizienz im Winter stabilisieren.
Das Kältemittel im Gerät bleibt dasselbe. Neue Monoblock-Wärmepumpen arbeiten häufig mit R290 (Propan, GWP 3). Nach der F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 dürfen Monoblock-Geräte bis 12 kW ab 2027 nur noch Kältemittel mit GWP unter 150 enthalten.
Checkliste: Kühlen mit der Wärmepumpe
- Kann das Gerät umschalten (reversibel) oder passiv kühlen?
- Ist ein Taupunktwächter eingeplant, im Vorlauf oder raumweise?
- Sind Rohre und Verteiler im Keller diffusionsdicht gedämmt? Sonst tropft es dort.
- Ist der Bodenbelag geeignet? Dicker Teppich oder Holz mit Dämmwirkung bremst die Kühlung.
- Werden Bad und Küche von der Kühlung ausgenommen? Dort ist die Feuchte oft zu hoch.
- Sind Außen-Verschattungen vorhanden? Kühlen gegen volle Sonne ist teuer und schwach.
Kurz gesagt
- Viele Wärmepumpen können auch kühlen, am effizientesten passiv über die Erdsonde.
- Fußbodenkühlung schafft etwa 15 bis 30 W/m² und hält Räume zwei bis drei Grad kühler.
- Der Taupunkt ist die Grenze. Ohne Taupunktwächter keine Flächenkühlung.
- Im Betrieb kostet Kühlen wenig, im Beispiel 9 bis 70 € pro Sommer.
- Wer richtig entfeuchten will, braucht Gebläsekonvektoren oder ein Klimagerät.
Wir kennen den Kältekreis aus der Klimatechnik und planen die Kühlfunktion von Anfang an mit. Mehr zur Wärmepumpe und Beratung im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart.
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