Wartung der Wärmepumpe: Was gehört dazu?
Eine Wärmepumpe braucht weniger Pflege als ein Ölkessel. Es gibt keinen Brenner, keinen Ruß und keinen Schornsteinfeger. Wartungsfrei ist sie trotzdem nicht. Wer sie ein paar Jahre sich selbst überlässt, merkt es zuerst auf der Stromrechnung und irgendwann am Verdichter.
Warum eine Wärmepumpe Wartung braucht
Das Herz der Wärmepumpe ist ein Kältekreis: Verdichter, Wärmetauscher, Expansionsventil und Kältemittel. Das ist genau das Handwerk, das wir als Kälte-Klima-Fachbetrieb jeden Tag machen. Der Kältekreis selbst ist bei guter Montage über viele Jahre dicht und stabil. Was sich verändert, ist die Umgebung:
- Das Außengerät saugt große Mengen Luft an. Laub, Pollen, Staub und Spinnweben setzen die Lamellen zu.
- Im Winter vereist der Verdampfer und taut regelmäßig ab. Das Tauwasser muss sauber ablaufen, sonst bildet sich ein Eisblock unter dem Gerät.
- Im Heizkreis sammeln sich Schlamm und Magnetit, besonders wenn alte Heizkörper und Leitungen weiter genutzt werden.
- Das Ausdehnungsgefäß verliert über die Jahre Vordruck.
- Die Einstellungen passen nicht mehr, weil jemand an der Heizkurve gedreht hat.
Was ist Pflicht? Die F-Gase-Dichtheitsprüfung
Eine gesetzliche Wartungspflicht für jede Wärmepumpe gibt es nicht. Eine Pflicht kann sich aber aus der F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573 ergeben. Sie hängt von Kältemittel und Füllmenge ab, gemessen in CO₂-Äquivalent:
- Ab 5 Tonnen CO₂-Äquivalent ist mindestens einmal im Jahr eine Dichtheitsprüfung durch zertifiziertes Personal vorgeschrieben.
- Bei hermetisch geschlossenen Geräten, etwa vielen Monoblock-Wärmepumpen, liegt die Schwelle bei 10 Tonnen.
Was das in Kilogramm bedeutet:
| Kältemittel | GWP | 5 t CO₂-Äq. entsprechen | 10 t CO₂-Äq. entsprechen |
|---|---|---|---|
| R410A | rund 2.088 | ca. 2,4 kg | ca. 4,8 kg |
| R32 | rund 675 | ca. 7,4 kg | ca. 14,8 kg |
| R290 (Propan) | 3 | kein fluoriertes Gas, keine Prüfpflicht nach F-Gase-VO |
Eine ältere Split-Wärmepumpe mit R410A und 3 bis 4 kg Füllmenge ist also prüfpflichtig. Eine neue Monoblock-Wärmepumpe mit R290 nicht. Neue Monoblock-Geräte bis 12 kW dürfen ab 2027 ohnehin nur noch Kältemittel mit GWP unter 150 enthalten. Verantwortlich für die Prüfung ist der Betreiber, also Sie. Die Füllmenge steht auf dem Typenschild.
Auch ohne Prüfpflicht gilt: Arbeiten am Kältekreis dürfen nur zertifizierte Fachbetriebe ausführen. Bei R290 kommen wegen der Brennbarkeit besondere Sicherheitsregeln dazu. Und die meisten Hersteller knüpfen ihre Garantie an eine regelmäßige Wartung durch einen Fachbetrieb.
Stand 09/2026, bitte vor Entscheidungen aktuell prüfen. Wir sagen Ihnen, was für Ihre Anlage gilt.
Was wir bei der Wartung machen
Außengerät: - Lamellen reinigen und richten, Ventilator prüfen - Kondensatablauf und Begleitheizung prüfen - Fundament, Schwingungsdämpfer, Geräusche kontrollieren
Kältekreis: - Drücke, Temperaturen, Überhitzung und Unterkühlung messen - Dichtheit prüfen, bei Pflicht mit Eintrag ins Logbuch - Abtauverhalten auswerten
Heizkreis und Warmwasser: - Anlagendruck und Vordruck des Ausdehnungsgefäßes - Schmutzfänger und Filter reinigen - Bei Erdwärme: Frostschutzkonzentration und Druck der Sole - Sicherheitsventile, Heizstab, Schutzanode im Warmwasserspeicher
Regelung: - Fehlerspeicher auslesen, Software aktualisieren - Heizkurve, Taktung und Laufzeiten prüfen - Jahresarbeitszahl aus Wärmemengen- und Stromzähler auswerten
Der letzte Punkt wird oft unterschätzt. Die Jahresarbeitszahl ist die ehrlichste Zahl Ihrer Anlage. Auf der Baustelle sehe ich immer wieder Wärmepumpen, die technisch einwandfrei laufen, aber mit einer Heizkurve von 60 °C, die ein Vorbesitzer oder ein nervöser Winterabend hinterlassen hat.
Was Sie selbst tun können
- Laub, Schnee und Pflanzen vom Außengerät fernhalten, mindestens einen halben Meter Abstand.
- Im Winter prüfen, ob sich unter dem Gerät Eis aufbaut.
- Den Anlagendruck am Manometer im Blick behalten. Der Sollwert steht meist auf einem Aufkleber.
- Auf neue Geräusche, Fehlermeldungen oder häufiges Takten achten.
- Einmal im Monat Wärmemenge und Stromverbrauch notieren, falls die Anzeige das hergibt.
Bitte nicht mit dem Hochdruckreiniger an die Lamellen. Die verbiegen sofort.
Rechenbeispiel: Was fehlende Wartung kostet
Annahmen: Einfamilienhaus mit 15.000 kWh Wärmebedarf. Gut eingestellt erreicht die Luft-Wasser-Wärmepumpe eine Jahresarbeitszahl von 3,4, das ist der Durchschnitt im Fraunhofer-ISE-Feldtest im Bestand (2019 bis 2024). Durch verschmutzte Lamellen, Schmutz im Heizkreis und eine zu hoch gestellte Heizkurve sinkt sie auf 3,0. Strom 37 ct/kWh (BDEW, August 2026).
- JAZ 3,4: 15.000 ÷ 3,4 ≈ 4.410 kWh Strom ≈ 1.630 €
- JAZ 3,0: 15.000 ÷ 3,0 = 5.000 kWh Strom = 1.850 €
- Mehrkosten: rund 590 kWh oder 220 € im Jahr
Eine Wartung kostet bei uns ab 500 €, Anfahrt, Fahrzeug- und Werkzeugpauschale sind darin eingerechnet. Wer „Wärmepumpen-Check ab 99 €" liest, sollte sich fragen, was dafür geht: Dichtheitskontrolle am Kältekreis, Reinigung von Verdampfer und Kondensatablauf, Prüfung von Hydraulik, Regelung und Heizkurve und ein Protokoll brauchen Zeit am Gerät. Fachgerecht ist das für 99 € nicht zu machen. Knapp die Hälfte unserer Wartung holt sie im Beispiel allein über den Strom wieder herein. Der größere Posten ist der Schaden, den sie verhindert: Ein Verdichterschaden gehört zu den teuersten Reparaturen an einer Wärmepumpe.
Gesundheit: ruhige Nächte, sauberes Wasser
Eine gut gewartete Wärmepumpe ist leise. Ein unwuchtiger Ventilator oder ein brummender Verdichter hingegen stört, und zwar vor allem nachts, wenn es draußen still ist. Das betrifft Ihren Schlaf und den der Nachbarn. Schlafstörungen durch Lärm sind gut untersucht. Die WHO empfiehlt in ihren Leitlinien zu nächtlichem Umgebungslärm (2009) einen Jahresmittelwert von höchstens 40 dB außen vor dem Fenster.
Dazu kommt die Trinkwasserhygiene: Warmwasserspeicher, Heizstab und die Legionellenschaltung gehören mit in die Wartung. Gerade bei wenig genutzten Speichern sorgt das für Sicherheit.
Nachhaltigkeit: Wartung verlängert das Leben
Fachleute rechnen bei Wärmepumpen mit 15 bis 20 Jahren Lebensdauer, bei guter Pflege oft mehr. Jedes zusätzliche Betriebsjahr spart Herstellung, Transport und Entsorgung eines neuen Geräts. Und eine früh entdeckte Undichtigkeit verhindert, dass Kältemittel in die Atmosphäre gelangt: 1 kg R410A entspricht rund 2,1 Tonnen CO₂. Bei R290 ist die Klimawirkung minimal, dafür geht es dort vor allem um Sicherheit.
Typische Fehler
- Wartung erst, wenn eine Fehlermeldung kommt.
- Prüfpflichtige R410A-Anlage ohne Dichtheitsprüfung und ohne Logbuch.
- Außengerät hinter Hecke oder unter Carport-Dach ohne Luftzirkulation.
- Heizkurve im Winter „mal eben" hochgedreht und nie wieder zurück.
- Kältemittel nachfüllen lassen, ohne das Leck zu suchen.
Kurz gesagt
- Eine Wärmepumpe braucht weniger, aber regelmäßige Wartung, sinnvoll einmal im Jahr.
- Dichtheitsprüfung ist Pflicht ab 5 t CO₂-Äquivalent, bei hermetischen Geräten ab 10 t.
- R290-Anlagen fallen nicht unter die F-Gase-Prüfpflicht, gehören aber in Fachhand.
- Schlecht eingestellte Anlagen kosten schnell 200 € und mehr im Jahr.
- Die Jahresarbeitszahl ist der beste Gesundheitscheck Ihrer Wärmepumpe.
Wir warten Wärmepumpen aller gängigen Hersteller, Kältekreis inklusive. Mehr zur Wärmepumpe und Wartungstermine im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart.
Weiterlesen: Wärmepumpe und Warmwasser · Heizkörper austauschen für die Wärmepumpe?
Fragen zu richtig heizen mit Wärmepumpe?
Wir beraten Sie ehrlich, ob und wie sich das für Ihr Gebäude lohnt.