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Lesezeit 7 Min. · Stand September 2026

Heizkörper austauschen für die Wärmepumpe: wann nötig, wann nicht?

„Mit Heizkörpern geht keine Wärmepumpe", hört man immer noch. Das stimmt so nicht. In den meisten Häusern, die wir umrüsten, bleibt der Großteil der Heizkörper hängen. Ausgetauscht werden gezielt die zwei, drei Räume, die zu knapp sind. Wie man die findet, erklärt dieser Artikel.

Warum die Vorlauftemperatur entscheidet

Eine Wärmepumpe arbeitet umso effizienter, je niedriger die Temperatur ist, die sie ins Heizwasser liefern muss. Als Faustwert gilt: Jedes Grad weniger Vorlauftemperatur verbessert die Effizienz um etwa 2 bis 2,5 %. Zehn Grad weniger machen also rund ein Viertel Stromverbrauch aus.

Ein alter Heizkörper wurde meist für 70 °C oder mehr Vorlauf ausgelegt. Senkt man die Temperatur, sinkt seine Leistung deutlich:

Vorlauf/Rücklauf Leistung im Vergleich zu 75/65 °C
75/65 °C 100 %
55/45 °C ca. 50 %
45/35 °C ca. 30 %

(bei 20 °C Raumtemperatur, übliche Heizkörperkennlinie)

Das klingt nach einem Problem. In der Praxis ist es oft keins, aus drei Gründen: Die Heizkörper wurden früher großzügig ausgelegt. Das Haus ist inzwischen besser gedämmt als beim Einbau, etwa durch neue Fenster. Und die 70 °C braucht man nur an den kältesten Tagen des Jahres, die meiste Zeit reicht viel weniger.

Der Fraunhofer-ISE-Feldtest „WPsmart im Bestand" hat das gemessen: Bei 27 Luft-Wasser-Wärmepumpen in Bestandsgebäuden, viele davon mit Heizkörpern, lag die maximal nötige Vorlauftemperatur im Mittel bei knapp 44 °C.

Der einfache Test: Wie warm muss Ihr Heizwasser wirklich sein?

Sie können das noch mit der alten Heizung ausprobieren, am besten an einem kalten Wintertag:

  1. Heizkurve der alten Heizung schrittweise absenken, bis die Vorlauftemperatur bei etwa 55 °C liegt.
  2. Alle Thermostatventile voll öffnen.
  3. Ein paar Tage beobachten: Welche Räume werden noch warm, welche nicht?
  4. Räume notieren, die nicht mehr auf Temperatur kommen. Das sind die Kandidaten für einen Heizkörpertausch.

Wenn bei 55 °C alle Räume warm werden, ist das Haus wärmepumpentauglich. Wenn es auch bei 50 °C klappt, umso besser. Den ganzen Selbsttest mit Dämmung und Baujahr finden Sie in Passt eine Wärmepumpe zu meinem Haus?.

Hydraulischer Abgleich: ohne ihn geht es nicht

Beim hydraulischen Abgleich wird für jeden Heizkörper berechnet, wie viel Heizwasser er braucht, und das Ventil entsprechend eingestellt. Ohne Abgleich bekommen die Heizkörper nahe am Kessel zu viel Wasser, die weit entfernten zu wenig. Mit dem alten Ölkessel hat man das durch hohe Temperaturen überdeckt. Bei der Wärmepumpe führt es dazu, dass die Vorlauftemperatur für den schlechtesten Raum hochgedreht wird und das ganze Haus darunter leidet.

Für die KfW-Heizungsförderung (Programm 458) ist der hydraulische Abgleich Voraussetzung und wird mit dem Formular des VdZ nachgewiesen.

So machen wir das: Raumweise Heizlastberechnung, Heizkörper aufnehmen, Ventile mit voreinstellbaren Einsätzen nachrüsten, wo nötig, Abgleich einstellen und dokumentieren. Überschaubarer Aufwand, der sich jedes Jahr auf der Stromrechnung zeigt.

Welche Heizkörper sind die richtigen?

Wenn ein Heizkörper getauscht werden muss, gibt es mehrere Wege:

  • Größerer Plattenheizkörper: Von Typ 11 (eine Platte) auf Typ 22 oder 33 wechseln. Günstig und oft ausreichend.
  • Niedertemperatur-Heizkörper mit Gebläse: Kleine Ventilatoren erhöhen die Leistung bei niedrigen Temperaturen erheblich. Sie brauchen einen Stromanschluss und machen ein leises Geräusch.
  • Fußboden- oder Wandheizung: Im Bad oder bei einer Renovierung sinnvoll, als Nachrüstung aber aufwendig.

Ausgetauscht wird nicht der schönste, sondern der kritischste Heizkörper. Meist sind das Bad, ein Eckzimmer mit zwei Außenwänden oder ein Raum unter dem Dach.

Rechenbeispiel: Was drei neue Heizkörper sparen

Annahmen: Einfamilienhaus, Baujahr 1975, teilsaniert, Wärmebedarf 15.000 kWh im Jahr. Ohne Tausch wären wegen zwei knapper Räume 55 °C Vorlauf nötig, Jahresarbeitszahl etwa 2,8. Nach Tausch von drei Heizkörpern reichen 45 °C, Jahresarbeitszahl etwa 3,4. Beide Werte liegen im Bereich des Fraunhofer-Feldtests. Strom 37 ct/kWh (BDEW, August 2026).

  • 55 °C: 15.000 ÷ 2,8 ≈ 5.360 kWh Strom ≈ 1.980 € im Jahr
  • 45 °C: 15.000 ÷ 3,4 ≈ 4.410 kWh Strom ≈ 1.630 € im Jahr
  • Ersparnis: rund 950 kWh oder 350 € im Jahr

Über 20 Jahre sind das bei heutigen Preisen rund 7.000 €. Mit einem Wärmepumpentarif (etwa 24 ct/kWh) ist die Ersparnis kleiner, rund 230 € im Jahr oder gut 4.500 € in 20 Jahren. Die Heizkörper selbst halten 30 Jahre und mehr. Was der Tausch kostet, hängt an Größe und Bauart, an der Nische, an Ventilen und Anschlüssen und daran, ob Leitungen versetzt werden müssen. Einen belastbaren Preis nennen wir Ihnen, wenn wir die Räume gesehen haben.

Was Nichtstun kostet, sieht man auch anders: Wer ohne Abgleich und ohne Tausch die Heizkurve hochdreht, bis „es überall warm ist", betreibt die Wärmepumpe oft mit 60 °C und mehr. Dann springt an kalten Tagen der Heizstab an, und die Stromrechnung wird zur Überraschung.

Gesundheit: milde Wärme fühlt sich anders an

Große Heizflächen mit niedrigen Temperaturen geben mehr Wärme als Strahlung ab und weniger über aufsteigende Warmluft. Das wirbelt weniger Staub auf, und Staub auf den Heizflächen wird nicht so stark erhitzt. Für Menschen mit Hausstauballergie oder empfindlichen Atemwegen kann das entlasten. Viele empfinden gleichmäßige, milde Wärme auch als angenehmer: keine heiße Zone am Fenster und kalte Füße in der Raummitte. Wer sich wohlfühlt, dreht auch nicht so schnell auf 23 °C.

Nachhaltigkeit: Tausch mit Augenmaß

Jeder Heizkörper, der hängen bleiben kann, spart Stahl, Transport und Entsorgung. Deshalb tauschen wir nicht pauschal, sondern nach Heizlast. Und jede Kilowattstunde, die durch niedrigere Vorlauftemperatur gar nicht erst verbraucht wird, spart mit dem Strommix (344 g/kWh, UBA 2025) CO₂. Im Beispiel oben sind das rund 330 kg im Jahr.

Typische Fehler

  • Alle Heizkörper pauschal tauschen, ohne Heizlastberechnung.
  • Gar nichts tauschen und die Heizkurve so hoch stellen, bis der schlechteste Raum warm ist.
  • Hydraulischen Abgleich weglassen, weil „das Haus ja bisher auch warm war".
  • Heizkörper hinter Möbeln oder dicken Vorhängen verstecken.
  • Thermostatventile in jedem Raum auf Stufe 5, die Wärmepumpe regelt sich dann gegen sich selbst.

Kurz gesagt

  • Meist müssen nur einzelne Heizkörper getauscht werden, nicht alle.
  • Test mit der alten Heizung: Werden bei 55 °C Vorlauf alle Räume warm?
  • Der hydraulische Abgleich ist Pflicht für die Förderung und bringt echte Ersparnis.
  • Zehn Grad weniger Vorlauf sparen grob ein Viertel des Stroms.
  • Getauscht wird der kritischste Raum, nicht der sichtbarste.

Wir berechnen die Heizlast Raum für Raum und sagen Ihnen, welche Heizkörper bleiben können. Mehr zur Wärmepumpe und Beratung im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart.

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