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Lesezeit 8 Min. · Stand September 2026

Alte Ölheizung raus: Schritt für Schritt zur Wärmepumpe

Der Ölkessel ist 28 Jahre alt, der Tank im Keller riecht ein bisschen, und der letzte Heizölkauf hat wehgetan. Viele Hausbesitzer im Kreis Böblingen stehen genau dort. Dieser Artikel zeigt den Weg von der ersten Überlegung bis zum leeren Tankraum, mit ehrlicher Rechnung und dem aktuellen Stand der Förderung.

Was sich 2026 geändert hat

Seit dem 29.07.2026 gilt das Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) statt des Gebäudeenergiegesetzes. Die 65-%-Regel für neue Heizungen ist gestrichen, eine Pflicht zum Austausch alter Kessel nach 30 Jahren gibt es nicht mehr. Wer heute eine neue Öl- oder Gasheizung einbaut, muss nach dem neuen Gesetz aber schrittweise wachsende Anteile an biogenen Brennstoffen einsetzen, beginnend 2029. Das macht den fossilen Weg auf Dauer teurer und unsicherer.

Die KfW-Heizungsförderung (Programm 458) wurde zum 21.07.2026 neu aufgestellt. Nach Angaben der KfW gilt für selbstnutzende Eigentümer:

  • Grundförderung: 30 % der förderfähigen Kosten.
  • Klimageschwindigkeitsbonus: 16 %, wenn eine Ölheizung ersetzt wird (unabhängig vom Alter). Er sinkt ab dem 01.02.2027 halbjährlich um 4 Prozentpunkte.
  • Einkommensbonus: bis 40 % bei niedrigem zu versteuerndem Haushaltseinkommen, gestaffelt. Ein Familienzuschlag rechnet das Einkommen pro Kind herunter.
  • Förderfähige Kosten: höchstens 28.000 € für die erste Wohneinheit, ab 01.02.2027 sinkend um 750 € pro Halbjahr.
  • Effizienzbonus und Emissionsminderungszuschlag sind entfallen.

Die Boni zusammen sind gedeckelt. Eine Absenkung der Grundförderung für Wärmepumpen ab 2027 ist angekündigt. Stand 09/2026, bitte vor Antrag aktuell prüfen. Wir machen das für Sie.

Rechenbeispiel: Öl gegen Wärmepumpe

Annahmen: Einfamilienhaus, bisher 2.500 Liter Heizöl im Jahr (rund 25.000 kWh). Kesselnutzungsgrad 85 %, also rund 21.250 kWh Wärme. Heizöl 1,40 €/Liter (TECSON-Bundesschnitt Mitte August 2026; Mitte September lag er zeitweise bei rund 1,79 €). Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Jahresarbeitszahl 3,2.

  • Öl: 2.500 l × 1,40 € = 3.500 €, dazu Kesselwartung, Schornsteinfeger und Tankprüfung, grob 400 €. Summe rund 3.900 € im Jahr
  • Wärmepumpe: 21.250 kWh ÷ 3,2 ≈ 6.640 kWh Strom
  • mit Haushaltsstrom 37 ct/kWh (BDEW, August 2026): rund 2.460 €
  • mit Wärmepumpentarif um 24 ct/kWh (Annahme, Durchschnitt laut Marktcheck der Verbraucherzentrale NRW, Februar 2026): rund 1.590 € plus Zählergrundpreis
  • dazu Wartung ab 500 € (bei uns inklusive Anfahrt, Fahrzeug- und Werkzeugpauschale)

Ersparnis: je nach Tarif etwa 950 bis 1.650 € im Jahr, über 20 Jahre bei heutigen Preisen rund 19.000 bis 33.000 €. Bei den Ölpreisen vom September 2026 deutlich mehr.

Förderung: Die förderfähigen Kosten sind auf 28.000 € gedeckelt. Bei 46 % (Grundförderung plus Klimageschwindigkeitsbonus) sind das höchstens 12.880 € Zuschuss, mit Einkommensbonus mehr. Eine komplette Luft-Wasser-Wärmepumpe im Bestand liegt in aller Regel über dieser Grenze. Was der Umstieg bei Ihnen kostet, hängt an Heizlast, Speicher, Hydraulik, Aufstellort, Elektroanschluss und am Rückbau von Kessel und Tank. Den Preis nennen wir Ihnen nach der Bestandsaufnahme vor Ort.

Schritt für Schritt: So läuft der Umstieg

1. Bestandsaufnahme. Wir brauchen den Ölverbrauch der letzten drei Jahre, Baujahr, Sanierungsstand und idealerweise ein Foto vom Typenschild des Kessels. Daraus und aus einer raumweisen Heizlastberechnung ergibt sich die richtige Größe der Wärmepumpe. Ein zu großes Gerät kostet mehr und taktet.

2. Heizkörper-Check. Reichen die vorhandenen Heizkörper bei 50 bis 55 °C Vorlauf? Das lässt sich mit der alten Heizung testen. Meist müssen nur einzelne Heizkörper getauscht werden.

3. Aufstellort und Schall. Wo steht das Außengerät? Abstand zum Nachbarn, Schlafzimmerfenster, Kondensatablauf, Fundament. In Reihenhaussiedlungen in Sindelfingen oder Böblingen ist das oft der kniffligste Punkt.

4. Angebot und Vertrag. Sie schließen mit uns einen Liefer- und Leistungsvertrag, der eine aufschiebende oder auflösende Bedingung zur KfW-Zusage enthält. Als Fachunternehmen in der Energieeffizienz-Expertenliste stellen wir die Bestätigung zum Antrag (BzA) aus.

5. KfW-Antrag. Sie stellen den Antrag im Portal „Meine KfW", bevor mit dem Einbau begonnen wird. Erst nach der Zusage geht es los.

6. Elektrik. Die Wärmepumpe wird beim Netzbetreiber angemeldet. Zählerschrank, Zuleitung und ein eventueller zweiter Zähler werden in Abstimmung mit dem Elektro-Fachbetrieb vorbereitet.

7. Öltank leeren. Restöl möglichst noch verheizen. Den Rest pumpt ein Tankfachbetrieb ab und nimmt ihn zurück oder verwertet ihn.

8. Einbau. Alter Kessel raus, Wärmepumpe, Speicher und Hydraulik rein. Im Einfamilienhaus meist drei bis fünf Arbeitstage. Ein paar Tage ohne Heizung sind im Frühjahr oder Herbst am einfachsten.

9. Inbetriebnahme und Abgleich. Kältekreis prüfen, Heizkurve einstellen, hydraulischer Abgleich mit Nachweis. Einweisung, damit Sie wissen, was die Anzeige bedeutet.

10. Nachweis. Nach Abschluss reichen wir die Bestätigung nach Durchführung (BnD) ein, Sie laden Rechnungen hoch, die KfW zahlt aus. Den Schornsteinfeger informieren, damit die Feuerstätte abgemeldet wird.

Der Öltank: stilllegen oder ausbauen

Ein Heizöltank wird nicht einfach vergessen. Er muss von einem Fachbetrieb nach Wasserhaushaltsgesetz entleert, gereinigt und entgast werden. Danach haben Sie zwei Möglichkeiten:

  • Ausbauen: Kunststoff- oder Stahltanks im Keller werden zerlegt und entsorgt. Der Raum ist danach frei, etwa für einen Pufferspeicher oder als Lager.
  • Stilllegen: Erdtanks werden nach der Reinigung meist mit Sand oder Schaumbeton verfüllt, damit sie später nicht einbrechen.

Sie bekommen eine Bescheinigung über die Stilllegung. Bei größeren oder prüfpflichtigen Tanks ist sie der unteren Wasserbehörde (im Kreis Böblingen das Landratsamt) vorzulegen, teils mit Prüfung durch einen Sachverständigen. Sagen Sie auch Ihrer Versicherung Bescheid: Die Gewässerschadenhaftpflicht für den Tank brauchen Sie dann nicht mehr. Der Aufwand hängt an Tankart und Größe, an der Restmenge im Tank, am Zugang (Kellertreppe, Einstiegsluke, Erdtank im Garten) und daran, ob ausgebaut oder verfüllt wird.

Ob Demontage und Entsorgung der Altanlage im neuen KfW-Programm als förderfähige Nebenkosten gelten, prüfen wir vor dem Antrag.

Gesundheit: Luft ohne Ölgeruch

Viele merken erst nach dem Ausbau, wie sehr der Keller nach Heizöl gerochen hat. Ältere Tankanlagen können Kohlenwasserstoffe ausdünsten, die sich im Haus verteilen, besonders wenn der Tankraum nicht dicht ist. Wer im Souterrain schläft oder arbeitet, profitiert davon am meisten. Dazu kommt, dass kein Brenner mehr Verbrennungsluft aus dem Haus zieht. Die Wärmepumpe liefert gleichmäßigere, mildere Wärme, was viele als angenehmer empfinden.

Nachhaltigkeit: der größte Hebel im Haus

Im Beispiel verursacht die Ölheizung bei rund 266 g CO₂ pro kWh Heizöl (Emissionsfaktor für Heizöl EL, Verbrennung) etwa 6,7 Tonnen CO₂ im Jahr. Die Wärmepumpe kommt mit dem Strommix von 344 g/kWh (UBA, 2025) auf rund 2,3 Tonnen, und das sinkt mit jedem Jahr Energiewende weiter. Über 20 Jahre sind das grob 85 Tonnen weniger. Kein anderer Schritt im Einfamilienhaus spart so viel auf einmal.

Typische Fehler

  • Mit dem Einbau beginnen, bevor die KfW-Zusage da ist. Dann ist die Förderung weg.
  • Wärmepumpe nach der Kesselleistung auslegen. Alte Ölkessel sind fast immer viel zu groß.
  • Tank voll bestellen, kurz bevor die Wärmepumpe kommt.
  • Außengerät direkt unter das Schlafzimmerfenster des Nachbarn stellen.
  • Den Elektro-Fachbetrieb zu spät einbinden. Ein neuer Zählerschrank kann Wochen dauern.

Kurz gesagt

  • Seit 29.07.2026 gibt es keine Austauschpflicht mehr, finanziell lohnt der Wechsel trotzdem.
  • KfW 458: 30 % Grundförderung plus 16 % Klimageschwindigkeitsbonus beim Ölkesseltausch, förderfähig bis 28.000 €.
  • Antrag immer vor dem Einbau, mit Vertrag unter Förderbedingung.
  • Der Öltank muss vom Fachbetrieb gereinigt und stillgelegt oder ausgebaut werden.
  • Im Beispiel sparen Sie 950 bis 1.650 € und rund 4,4 Tonnen CO₂ im Jahr.

Wir begleiten Sie vom ersten Termin bis zum Förderantrag. Mehr zur Wärmepumpe und Beratung im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart.

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