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Lesezeit 8 Min. · Stand September 2026

Wärmepumpe und Stromtarif: Lohnt sich ein Wärmepumpentarif?

Die Wärmepumpe ist eingebaut, jetzt kommt die Frage nach dem Tarif. Einer oder zwei Zähler? Modul 1 oder Modul 2? Und was ist mit den dynamischen Tarifen, von denen alle reden? Die Antwort hängt vor allem an einer Zahl: wie viel Strom Ihre Wärmepumpe im Jahr braucht.

Die Grundlage: § 14a EnWG

Seit dem 01.01.2024 gilt für neue Wärmepumpen, Wallboxen, Batteriespeicher und Klimaanlagen mit mehr als 4,2 kW Anschlussleistung der § 14a des Energiewirtschaftsgesetzes. Sie heißen dann „steuerbare Verbrauchseinrichtungen". Der Netzbetreiber darf ihre Leistung bei drohender Überlastung des Ortsnetzes vorübergehend drosseln, aber nie unter 4,2 kW. Ganz abgeschaltet wird die Wärmepumpe nicht, und Ihr übriger Haushaltsstrom ist davon nicht betroffen.

Im Gegenzug bekommen Sie ein reduziertes Netzentgelt. Dafür gibt es drei Module:

Modul 1: Pauschale. Sie bekommen einen festen Rabatt aufs Netzentgelt, je nach Netzbetreiber etwa 110 bis 190 € brutto im Jahr. Kein zweiter Zähler nötig, die Wärmepumpe hängt am Haushaltszähler. Das ist der Standard, wenn Sie nichts anderes wählen.

Modul 2: Prozentualer Rabatt. Der Arbeitspreis des Netzentgelts sinkt um 60 %, aber nur für den Strom der Wärmepumpe. Dafür braucht sie einen eigenen Zähler (separater Zählpunkt).

Modul 3: Zeitvariables Netzentgelt. Seit April 2025 möglich, nur zusätzlich zu Modul 1. Das Netzentgelt ist in Niedriglastzeiten günstiger und in Hochlastzeiten teurer, in drei Stufen. Voraussetzung ist ein intelligentes Messsystem (Smart Meter). Modul 2 und 3 lassen sich nicht kombinieren.

Wärmepumpen, die vor 2024 in Betrieb gingen, haben eine Übergangsregelung und können in ihren bisherigen Verträgen bleiben.

Was ein Wärmepumpentarif kostet

Die Verbraucherzentrale NRW hat Anfang 2026 Wärmepumpentarife verglichen (Marktcheck, Februar 2026): Mit separatem Zähler und Modul 2 lag der Arbeitspreis bei durchschnittlich 24 ct/kWh, die Spanne reichte von 20 bis 29 ct. Der Grundpreis für den zweiten Zähler lag im Schnitt bei 140 € im Jahr. Etwa ein Viertel der Anbieter hatte die Netzentgeltreduktion allerdings nicht in den Preis eingerechnet. Da lohnt ein zweiter Blick.

Zum Vergleich: Haushaltsstrom kostet laut BDEW im Schnitt 37 ct/kWh (August 2026), gute Neukundentarife liegen darunter.

Rechenbeispiel: Ein Zähler oder zwei?

Annahmen: Haushaltsstrom 37 ct/kWh, Modul-1-Rabatt 150 €, Wärmepumpentarif 24 ct/kWh plus 140 € Grundpreis für den zweiten Zähler. Das sind Durchschnittswerte, Ihr Netzgebiet und Ihr Anbieter können abweichen.

Fall A: gut gedämmtes Haus, Wärmepumpe braucht 3.000 kWh im Jahr - Modul 1: 3.000 × 0,37 € − 150 € = 960 € - Modul 2: 3.000 × 0,24 € + 140 € = 860 € - Vorteil Modul 2: rund 100 € im Jahr. Dagegen stehen die Kosten für den Zählerplatz.

Fall B: Altbau, Wärmepumpe braucht 7.000 kWh im Jahr - Modul 1: 7.000 × 0,37 € − 150 € = 2.440 € - Modul 2: 7.000 × 0,24 € + 140 € = 1.820 € - Vorteil Modul 2: rund 620 € im Jahr.

Mit den Annahmen oben wächst der Vorteil von Modul 2 um rund 130 € je 1.000 kWh Wärmepumpenstrom, bei 3.000 kWh sind es rund 100 € im Jahr, bei 7.000 kWh rund 620 €. Dagegen steht der zweite Zähler. Er braucht Platz im Zählerschrank, und ist der alt oder voll, wird ein Umbau fällig. Ob das bei Ihnen so ist und was er kostet, klärt der Elektro-Fachbetrieb vor Ort, mit dem wir uns abstimmen. Erst mit diesem Angebot lässt sich sauber rechnen, ob der Umbau über die Tarifersparnis wieder hereinkommt. Als Faustregel: Unter 3.000 kWh reicht meist Modul 1, ab etwa 4.000 kWh sollten Sie Modul 2 durchrechnen. Wer eine PV-Anlage hat, muss zusätzlich bedenken, dass der Solarstrom je nach Messkonzept nicht mehr ohne Weiteres zur Wärmepumpe fließt.

Zählerschrank, Zählerplatz und Messkonzept sind Sache des Elektro-Fachbetriebs und des Messstellenbetreibers. Wir stimmen uns mit ihnen ab und liefern die Daten zur Wärmepumpe.

Dynamische Tarife: für wen?

Seit 2025 müssen alle Stromlieferanten einen dynamischen Tarif anbieten. Der Preis folgt dann stündlich oder viertelstündlich der Strombörse. Nachts und bei viel Wind oder Sonne ist Strom billig, am frühen Abend im Winter oft teuer.

Für die Wärmepumpe kann das passen, weil ein Haus mit Fußbodenheizung Wärme speichert. Die Wärmepumpe kann in günstigen Stunden etwas mehr heizen und in teuren pausieren. Voraussetzungen:

  • ein intelligentes Messsystem,
  • eine Wärmepumpe oder ein Energiemanager, der Preissignale verarbeiten kann,
  • und die Bereitschaft, Preisschwankungen auszuhalten. Eine kalte Woche mit wenig Wind im Januar kann teuer werden.

Mit Heizkörpern im Altbau ohne Pufferspeicher ist der Spielraum kleiner. Hier ist ein fester Wärmepumpentarif oft die ruhigere Wahl. Stand 09/2026, die Tariflandschaft ändert sich schnell. Bitte vor Abschluss aktuell vergleichen.

Gesundheit: Behaglichkeit geht vor

Wer nur auf den Tarif schaut, dreht die Wärmepumpe im Winter abends herunter, weil der Strom dann teuer ist, und friert. Ein kaltes Wohnzimmer ist aber kein Ort, an dem man sich erholt. Bei Menschen mit Rheuma, Kreislaufproblemen oder kleinen Kindern kann ein ständiges Auf und Ab der Raumtemperatur belasten. Eine gut eingestellte Heizkurve mit kleinen Verschiebungen ist deshalb besser als Sparen auf Kosten der Behaglichkeit.

Nachhaltigkeit: billig heißt oft grün

Dynamische Tarife und Modul 3 belohnen Strom in Stunden, in denen viel Wind- und Solarstrom im Netz ist. Wer dann heizt, nutzt in der Regel Strom mit geringerem CO₂-Anteil als der Jahresmittelwert von 344 g/kWh (UBA, 2025) und entlastet das Netz in Spitzenzeiten. Die Steuerung nach § 14a sorgt dafür, dass die Netze nicht schneller ausgebaut werden müssen als nötig. Das spart Kupfer, Beton und am Ende auch Netzentgelte für alle.

Checkliste: So finden Sie den passenden Tarif

  • Wie viel Strom braucht Ihre Wärmepumpe im Jahr? Eigenen Stromzähler oder die Energieanzeige der Wärmepumpe ablesen.
  • Welches Modul ist aktuell gemeldet? Das steht in der Netzbetreiber-Anmeldung.
  • Ist im Zählerschrank Platz für einen zweiten Zähler? Elektro-Fachbetrieb fragen.
  • Rechnet der Anbieter die Netzentgeltreduktion ein? Im Preisblatt prüfen.
  • Gibt es eine PV-Anlage? Dann Messkonzept vor dem Tarifwechsel klären.
  • Kann die Wärmepumpe Preissignale verarbeiten (SG-Ready, Schnittstelle zum Energiemanager)?

Kurz gesagt

  • Neue Wärmepumpen fallen unter § 14a EnWG, die Drosselung geht nie unter 4,2 kW.
  • Modul 1 bringt etwa 110 bis 190 € im Jahr ohne zweiten Zähler.
  • Modul 2 mit separatem Zähler lohnt sich meist ab etwa 4.000 kWh Wärmepumpenstrom, abhängig von den Zählerkosten.
  • Wärmepumpentarife lagen Anfang 2026 im Schnitt bei 24 ct/kWh.
  • Dynamische Tarife passen am besten zu Häusern mit Fußbodenheizung und Smart Meter.

Wir sagen Ihnen, was Ihre Wärmepumpe tatsächlich verbraucht, und rechnen die Varianten mit Ihnen durch. Mehr zur Wärmepumpe und Beratung im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart.

Weiterlesen: Wärmepumpe und PV · Alte Ölheizung raus: Schritt für Schritt

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