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Lesezeit 8 Min. · Stand September 2026

Passt eine Wärmepumpe zu meinem Haus?

Die Frage lässt sich besser beantworten, als viele denken. Nicht das Baujahr entscheidet, sondern wie viel Wärme Ihr Haus an kalten Tagen braucht und mit welcher Vorlauftemperatur Ihre Heizflächen das schaffen. Beides können Sie mit einfachen Mitteln selbst eingrenzen, noch bevor ein Fachbetrieb im Keller steht.

Das Baujahr ist nur ein grober Hinweis

Ein Haus von 1965 mit neuen Fenstern, gedämmtem Dach und größeren Heizkörpern kann besser geeignet sein als ein Haus von 1990, an dem nie etwas gemacht wurde. Der Fraunhofer ISE hat in seinem Feldtest in Bestandsgebäuden (Abschlussbericht 2025) keinen Zusammenhang zwischen Baujahr und Effizienz der Wärmepumpen gefunden. Entscheidend waren Heizflächen und Vorlauftemperatur.

Als grobe Orientierung taugt der Energieverbrauch pro Quadratmeter:

  • unter 100 kWh/m² im Jahr: in der Regel gut geeignet
  • 100 bis 150 kWh/m²: meist machbar, oft mit einzelnen größeren Heizkörpern
  • über 150 kWh/m²: machbar, aber genauer hinschauen; vorher Dach, Fenster oder Kellerdecke prüfen

Rechnen Sie dafür den Gas- oder Ölverbrauch der letzten Jahre in kWh durch die beheizte Wohnfläche. Ein Liter Heizöl entspricht rund 10 kWh.

Schritt 1: Heizlast grob abschätzen

Die Heizlast ist die Leistung, die Ihr Haus am kältesten Tag braucht. Exakt wird sie nach DIN EN 12831 raumweise berechnet, das gehört vor jede Auslegung. Für eine erste Einschätzung reicht Ihr Verbrauch.

Beispiel: 20.000 kWh Gas im Jahr, Kessel mit 90 % Nutzungsgrad, davon rund 2.500 kWh für Warmwasser. Bleiben gut 15.500 kWh Heizwärme. Geteilt durch rund 2.000 Volllaststunden, ein üblicher Faustwert für unsere Region, ergibt das eine Heizlast von knapp 8 kW. Das ist eine gängige Wärmepumpengröße.

Wichtig: Der alte Kessel hat meist 20 oder 24 kW. Das sagt über den Bedarf nichts aus. Kessel wurden früher großzügig gewählt, weil es auf ein paar Kilowatt nicht ankam. Bei der Wärmepumpe kommt es darauf an.

Schritt 2: Der Vorlauftest im Winter

Das ist der wichtigste Test, und er kostet Sie nichts außer etwas Aufmerksamkeit. Machen Sie ihn in einer kalten Woche, am besten bei Außentemperaturen um oder unter 0 Grad.

  1. Lassen Sie sich von Ihrem Heizungsbauer zeigen, wie die Heizkurve eingestellt wird, oder stellen Sie sie selbst schrittweise flacher.
  2. Begrenzen Sie die Vorlauftemperatur auf 50 Grad, im zweiten Schritt auf 45 Grad.
  3. Drehen Sie alle Thermostatventile ganz auf, auch in Räumen, die sonst kühler bleiben.
  4. Messen Sie über zwei bis drei Tage in jedem Raum die Temperatur, morgens und abends.
  5. Notieren Sie, welche Räume nicht auf 20 bis 21 Grad kommen.

Werden alle Räume warm, ist Ihr Haus mit hoher Wahrscheinlichkeit für eine Wärmepumpe geeignet. Bleiben ein oder zwei Räume kühl, liegt es meist an einem zu kleinen Heizkörper. Der wird gezielt getauscht. Werden fast alle Räume nicht warm, ist das kein Ausschluss, aber ein Zeichen, dass vorher an Dämmung oder Heizflächen gearbeitet werden sollte.

Ein Nebeneffekt: Manche Kunden stellen dabei fest, dass ihr Gaskessel jahrelang mit 70 Grad lief, obwohl 55 gereicht hätten. Das spart schon mit der alten Heizung Gas.

Schritt 3: Heizkörper anschauen

Alte Rippenheizkörper aus Guss sind oft besser als ihr Ruf, sie haben viel Fläche. Kritisch sind kleine Plattenheizkörper unter Fenstern, die für 70 oder 90 Grad Vorlauf ausgelegt wurden. Faustregel aus der Praxis: Ein Heizkörper, der bei 70 Grad 1.500 Watt bringt, schafft bei 45 Grad nur noch etwa 35 bis 40 Prozent davon. Wie man Altbauten ohne Fußbodenheizung trotzdem gut hinbekommt, steht im Artikel Wärmepumpe im Altbau.

Rechenbeispiel: Was 10 Grad weniger Vorlauf bringen

Annahmen: 18.000 kWh Wärmebedarf im Jahr inklusive Warmwasser. Wärmepumpe bei 55 Grad maximalem Vorlauf mit einer Jahresarbeitszahl von 3,0, bei 45 Grad mit 3,6 (Faustwert: rund 2 bis 3 % Effizienzgewinn je Grad weniger). Strom 37 ct/kWh Haushaltstarif.

  • 55 Grad: 18.000 ÷ 3,0 = 6.000 kWh Strom → 2.220 € im Jahr
  • 45 Grad: 18.000 ÷ 3,6 = 5.000 kWh Strom → 1.850 € im Jahr

Differenz: 370 € und rund 340 kg CO₂ jedes Jahr, über 20 Jahre Laufzeit rund 7.400 € und knapp 7 Tonnen CO₂. Um die 10 Grad zu schaffen, reichen oft zwei oder drei größere Heizkörper in den kritischen Räumen. Was das kostet, hängt an Größe, Nische und Anschlüssen und daran, ob Leitungen versetzt werden müssen. Das klären wir beim Termin vor Ort. Was sonst noch in die Effizienz einfließt, erklärt der Artikel zur Jahresarbeitszahl.

Behaglichkeit: Warum Dämmung mehr ist als Energiesparen

Ob man sich in einem Raum wohlfühlt, hängt nicht nur an der Lufttemperatur. Genauso wichtig ist die Temperatur der Wände, Fenster und Böden. Kalte Außenwände ziehen dem Körper Wärme über Strahlung ab, man fröstelt auf dem Sofa, obwohl das Thermometer 21 Grad zeigt. An kalten Flächen sinkt die Luft ab und es entsteht ein Luftzug über dem Boden, kalte Füße inklusive.

Eine Wärmepumpe mit großen, lauwarmen Heizflächen hilft, weil mehr Wärme als Strahlung ankommt. Noch mehr bringen warme Wände. Wer vor dem Heizungstausch die Kellerdecke oder die oberste Geschossdecke dämmt, hat danach wärmere Füße, weniger Kältezonen und oft ein ruhigeres Schlafklima. Wärmere Innenoberflächen senken auch das Risiko für Schimmel in Ecken und hinter Schränken, was für Allergiker und empfindliche Atemwege eine Entlastung sein kann.

Nachhaltigkeit: Erst Bedarf senken, dann richtig dimensionieren

Jede Kilowattstunde, die nicht gebraucht wird, muss auch keine Wärmepumpe erzeugen. Kellerdeckendämmung oder Dämmung der obersten Geschossdecke gehören zu den günstigsten Maßnahmen überhaupt und senken die Heizlast. Das erlaubt ein kleineres Gerät. Kleinere Geräte sind günstiger, brauchen weniger Kältemittel und laufen gleichmäßiger.

Ein überdimensioniertes Gerät dagegen taktet: Es schaltet ständig ein und aus. Das kostet Effizienz und belastet den Verdichter. Auf der Baustelle sehe ich häufiger zu große als zu kleine Wärmepumpen, meist weil einfach die Leistung des alten Kessels übernommen wurde.

Checkliste: Passt eine Wärmepumpe?

  • [ ] Verbrauch der letzten drei Jahre in kWh zusammengetragen
  • [ ] Verbrauch pro m² Wohnfläche ausgerechnet
  • [ ] Heizlast grob abgeschätzt, später raumweise berechnen lassen
  • [ ] Vorlauftest bei Frost mit 50 und 45 Grad gemacht
  • [ ] Räume notiert, die nicht warm werden
  • [ ] Heizkörpergrößen erfasst, Fotos gemacht
  • [ ] Platz für Außengerät mit Abstand zum Nachbarn geprüft
  • [ ] Günstige Dämmmaßnahmen (Kellerdecke, oberste Geschossdecke) geprüft
  • [ ] Zählerschrank fotografiert, Prüfung in Abstimmung mit dem Elektro-Fachbetrieb

Kurz gesagt

  • Nicht das Baujahr entscheidet, sondern Heizlast und nötige Vorlauftemperatur.
  • Der Vorlauftest bei Frost ist der beste Selbstcheck und kostet nichts.
  • Einzelne kalte Räume lassen sich meist mit größeren Heizkörpern lösen.
  • 10 Grad weniger Vorlauf können rund 370 € Stromkosten im Jahr sparen.
  • Die Leistung des alten Kessels ist kein Maßstab für die neue Wärmepumpe.

Bringen Sie Ihre Notizen vom Vorlauftest mit, dann sind wir beim Vor-Ort-Termin schnell bei einer belastbaren Aussage. Wir sind im Raum Schönaich, Böblingen, Sindelfingen und Stuttgart unterwegs. Mehr zu Wärmepumpen

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