Start › Blog › Richtig heizen mit Wärmepumpe

Lesezeit 7 Min. · Stand September 2026

Wärmepumpe und Warmwasser: Reicht das für die ganze Familie?

Die Frage kommt bei fast jedem Beratungstermin, meistens von dem Familienmitglied, das morgens als Letztes duscht. Die kurze Antwort: Ja, eine Wärmepumpe schafft Warmwasser für eine große Familie. Die längere Antwort hängt an drei Stellschrauben: Speichergröße, Temperatur und Zirkulation.

Warum Warmwasser für die Wärmepumpe die härtere Aufgabe ist

Eine Wärmepumpe arbeitet umso sparsamer, je niedriger die Temperatur ist, die sie liefern muss. Für die Fußbodenheizung reichen im Winter oft 30 bis 35 °C, für Heizkörper im Bestand meist 45 bis 55 °C. Warmwasser will dagegen 50 bis 60 °C, und das das ganze Jahr.

Dadurch ist die Effizienz beim Warmwasser niedriger als beim Heizen. Wo eine Luft-Wasser-Wärmepumpe beim Heizen im Jahresmittel eine Arbeitszahl von gut 3 schafft (der Fraunhofer-ISE-Feldtest im Bestand, 2019 bis 2024, kam auf durchschnittlich 3,4), liegt sie im reinen Warmwasserbetrieb oft eher bei 2,5 bis 3. Das ist immer noch zwei- bis dreimal so effizient wie ein Heizstab, aber eben kein Selbstläufer.

Wie groß muss der Speicher sein?

Eine Gastherme heizt Wasser im Durchlauf mit 20 kW und mehr. Eine Wärmepumpe hat im Einfamilienhaus oft nur 6 bis 10 kW Leistung. Sie braucht deshalb einen Vorrat, der die Spitzen abfängt: den Warmwasserspeicher.

Faustwerte für die Planung (Einfamilienhaus, Speicher bei ca. 50 bis 55 °C):

Haushalt Übliche Speichergröße
1–2 Personen 150–200 Liter
3–4 Personen 200–300 Liter
5–6 Personen 300–400 Liter

Diese Werte sind Richtgrößen, keine Bestellliste. Entscheidend sind die Gewohnheiten. Drei Teenager, die hintereinander zehn Minuten duschen, ziehen mehr als eine Familie mit kleinen Kindern, die abends einmal die Wanne füllt. Eine große Badewanne mit 150 Litern Inhalt kann einen 200-Liter-Speicher an einem Abend fast leer machen.

Wichtig ist außerdem die Wärmetauscherfläche im Speicher. Ein Wärmepumpenspeicher braucht eine deutlich größere Heizwendel als ein alter Ölkesselspeicher, weil die Wärmepumpe mit kleinerem Temperaturunterschied arbeitet. Den alten Speicher einfach weiterzuverwenden, geht deshalb meistens schief.

Legionellen: sachlich betrachtet

Legionellen sind Bakterien, die sich in Warmwasser zwischen etwa 25 und 45 °C gut vermehren. Gefährlich werden sie, wenn man feine Tröpfchen einatmet, also beim Duschen. Sie können eine schwere Lungenentzündung auslösen, vor allem bei älteren oder immungeschwächten Menschen. Laut Umweltbundesamt ist das Einatmen solcher Aerosole der wichtigste Übertragungsweg, Trinken dagegen gilt als unproblematisch.

Was die Regeln sagen:

  • Einfamilien- und Zweifamilienhäuser gelten nach dem DVGW-Arbeitsblatt W 551 als Kleinanlagen. Hier gibt es keine Pflicht zu 60 °C und keine Untersuchungspflicht. Der DVGW empfiehlt aber, 50 °C am Speicheraustritt nicht zu unterschreiten.
  • Großanlagen (vereinfacht: Mehrfamilienhaus mit mehr als 400 Liter Speicher oder mehr als 3 Liter Wasser in einer Leitung zwischen Speicher und Zapfstelle) müssen am Speicheraustritt 60 °C halten. Vermieter haben dort Untersuchungspflichten nach der Trinkwasserverordnung.

So machen wir das im Einfamilienhaus: Speichertemperatur 50 bis 55 °C im Alltag, dazu einmal pro Woche eine Aufheizung auf 60 °C oder mehr. Die meisten Wärmepumpen haben dafür eine Legionellenschaltung. Ob Sie die brauchen, hängt vom Einzelfall ab. Bei kurzen Leitungen, viel Wasserverbrauch und ohne Zirkulation ist das Risiko gering. Bei wenig genutzten Speichern, etwa im Ferienhaus oder bei Senioren allein im großen Haus, würde ich sie immer aktivieren.

Zirkulation: bequem, aber teuer

Eine Zirkulationsleitung hält warmes Wasser ständig bis kurz vor den Wasserhahn. Das ist bequem, kostet aber Energie, weil die Leitung rund um die Uhr Wärme abgibt. Bei einer Wärmepumpe tut das doppelt weh: Die Verluste müssen auf hohem Temperaturniveau nachgeheizt werden.

Unsere Empfehlungen:

  • Zirkulation per Zeitschaltuhr oder Bedarfstaster nur morgens und abends laufen lassen.
  • Die Leitungen im Keller und in Schächten lückenlos dämmen.
  • Eine effiziente Zirkulationspumpe verwenden, die alten laufen mit 40 bis 80 Watt Dauerleistung.
  • Hygiene beachten: Wer die Zirkulation abschaltet, darf das Wasser in langen Leitungen nicht tagelang stehen lassen.

Rechenbeispiel: Was Warmwasser mit Wärmepumpe kostet

Annahmen: Vierköpfige Familie, Warmwasser-Wärmebedarf inklusive Speicherverlusten rund 3.200 kWh im Jahr (etwa 800 kWh pro Person, ein häufig genutzter Planungswert). Arbeitszahl Warmwasser 2,7. Strom 37 ct/kWh (BDEW-Durchschnitt Haushalte, August 2026).

  • Wärmepumpe: 3.200 kWh ÷ 2,7 ≈ 1.185 kWh Strom × 0,37 € ≈ 440 € im Jahr
  • Nur Heizstab (Arbeitszahl 1): 3.200 kWh × 0,37 € ≈ 1.185 € im Jahr

Die wöchentliche Legionellenschaltung mit Heizstab kostet vergleichsweise wenig: 300 Liter von 50 auf 60 °C erwärmen braucht rund 3,5 kWh. Das sind übers Jahr etwa 180 kWh oder gut 65 €.

Und die falsche Einstellung? Wer den Speicher dauerhaft auf 65 °C stellt, weil „mehr ja sicherer ist", zwingt die Wärmepumpe oft in einen Bereich, den sie nur noch mit Heizstab schafft. Das kostet schnell einige hundert Euro im Jahr zusätzlich, ohne dass jemand besser duscht.

Wohlbefinden: warmes Wasser ist keine Nebensache

Eine warme Dusche nach dem Training oder nach einem langen Tag entspannt die Muskulatur und hilft vielen beim Abschalten. Das merke ich nach einer harten Trainingseinheit bis heute. Ein Speicher, der nach zwei Duschen kalt ist, bringt dagegen täglich Stress in den Morgen. Ein gut geplanter Speicher ist deshalb auch eine Frage des Familienfriedens. Und saubere Trinkwasserhygiene entlastet gerade die Menschen im Haus, deren Atemwege und Abwehrkräfte am empfindlichsten sind.

Nachhaltigkeit: wo Warmwasser CO₂ spart

Mit dem Strommix von 344 g CO₂/kWh (UBA, 2025) verursacht die Wärmepumpe im Beispiel oben rund 410 kg CO₂ im Jahr. Dieselbe Wärmemenge aus einer Gasheizung (Nutzungsgrad 85 %, 201 g/kWh) liegt bei rund 760 kg. Jedes Grad weniger am Speicher spart zusätzlich Strom und Speicherverluste. Und ein Speicher, dessen Schutzanode regelmäßig geprüft wird, hält nach unserer Erfahrung oft 15 bis 20 Jahre. Das spart Material und Entsorgung.

Typische Fehler von der Baustelle

  • Alter Speicher mit zu kleiner Heizwendel wird weiterverwendet. Folge: Wärmepumpe taktet, Heizstab springt ständig ein.
  • Speicher „nach Gefühl" zu klein gewählt, weil der Keller eng ist.
  • Zirkulation läuft 24 Stunden am Tag, Leitungen ungedämmt.
  • Solltemperatur 60 °C oder mehr im Dauerbetrieb, ohne dass es einen Grund gibt.
  • Legionellenschaltung aus, obwohl der Speicher wochenlang kaum genutzt wird.

Kurz gesagt

  • Eine Wärmepumpe versorgt auch große Familien mit Warmwasser, wenn der Speicher passt.
  • Faustwert: 50 bis 70 Liter Speicher pro Person, abhängig von Duschgewohnheiten.
  • Im Einfamilienhaus sind 50 bis 55 °C üblich, dazu bei Bedarf eine wöchentliche Aufheizung auf 60 °C.
  • Zirkulation nur mit Zeitsteuerung und gedämmten Leitungen.
  • Warmwasser per Wärmepumpe kostet eine vierköpfige Familie grob 400 bis 500 € Strom im Jahr.

Wir planen Speicher und Warmwasser passend zu Ihrem Haushalt, nicht nach Katalog. Mehr zur Wärmepumpe und Beratung im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart.

Weiterlesen: Heizkörper austauschen für die Wärmepumpe? · Wartung der Wärmepumpe

Fragen zu richtig heizen mit Wärmepumpe?

Wir beraten Sie ehrlich, ob und wie sich das für Ihr Gebäude lohnt.

Beratung anfragen