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Lesezeit 8 Min. · Stand September 2026

Hohe Luftfeuchtigkeit durch Aquarium, Pool und Wäschetrocknen im Haus

Ein Aquarium im Wohnzimmer, ein Pool im Untergeschoss, der Wäscheständer im Flur: Das alles sieht man nicht als Feuchtequelle, bis das Fenster beschlägt oder der Keller riecht. Dabei lässt sich ziemlich genau ausrechnen, wie viel Wasser jeden Tag in der Luft landet. Wer die Liter kennt, kann die richtige Lösung wählen, statt aufs Geratewohl einen Entfeuchter zu kaufen.

Das Grundprinzip: Verdunstung hat eine Formel

Wie viel Wasser von einer offenen Fläche verdunstet, hängt vor allem von drei Dingen ab: der Größe der Wasserfläche, dem Unterschied zwischen dem Dampfdruck über dem warmen Wasser und dem Dampfdruck in der Raumluft, und davon, wie stark sich Luft und Wasser bewegen. Für Bäder rechnet man mit der sogenannten Dalton-Formel, die auch die Deutsche Gesellschaft für das Badewesen verwendet:

Verdunstung (g/h) = β × Fläche (m²) × Dampfdruckdifferenz (hPa)

Der Beiwert β liegt für eine ruhige Wasserfläche bei etwa 5, für ein genutztes privates Schwimmbad bei etwa 15 (Werte nach Deutscher Gesellschaft für das Badewesen).

Und eine zweite Zahl sollten Sie kennen: Um einen Liter Wasser zu verdunsten, braucht es rund 0,68 kWh Wärme. Die holt sich das Wasser aus dem Becken oder aus dem Raum. Verdunstung ist also immer auch ein Energiethema.

Aquarium: 1 bis 4 Liter am Tag

Ein typisches 200-Liter-Becken hat eine Oberfläche von etwa 100 × 50 cm, also 0,5 m². Wasser 25 °C, Raum 20 °C bei 50 Prozent Luftfeuchte.

  • Dampfdruck über dem Wasser bei 25 °C: rund 31,6 hPa
  • Dampfdruck in der Raumluft: rund 11,7 hPa
  • Differenz: knapp 20 hPa

Ruhige Oberfläche: 5 × 0,5 × 20 ≈ 50 g/h, also gut 1 Liter pro Tag. Mit Filterströmung, Ausströmer oder Oberflächenbewegung steigt der Beiwert schnell auf das Doppelte bis Dreifache. Aquarianer berichten bei offenen 200-Liter-Becken von 3 bis 5 Litern Nachfüllwasser am Tag, mit Abdeckung von 0,5 bis 1,5 Litern.

Was tun? Eine Abdeckung ist die mit Abstand wirksamste Maßnahme. Sie spart außerdem Heizenergie für das Aquarium, denn jeder verdunstete Liter nimmt dem Becken 0,68 kWh Wärme. Bei 3 Litern am Tag sind das rund 2 kWh täglich, die der Aquarienheizer nachliefern muss. Mit Strom bei 37 ct/kWh (BDEW, Stand 08/2026) sind das grob 270 € im Jahr an Heizstrom, von denen ein Teil im Winter immerhin den Raum mitwärmt.

Pool im Haus: 15 bis 60 Liter am Tag

Hier wird es ernst. Rechenbeispiel für ein privates Hallenbad: Becken 4 × 8 m, also 32 m². Wasser 28 °C, Raumluft 30 °C bei 55 Prozent.

  • Dampfdruck über dem Wasser bei 28 °C: rund 37,7 hPa
  • Dampfdruck in der Raumluft: rund 23,3 hPa
  • Differenz: etwa 14,5 hPa

  • Ohne Abdeckung, ruhende Wasserfläche: 5 × 32 × 14,5 ≈ 2,3 kg pro Stunde. Über 22,5 Stunden sind das rund 52 Liter.

  • Während der Nutzung, 1,5 Stunden am Tag mit β = 15: 15 × 32 × 14,5 ≈ 7 kg pro Stunde, also rund 10 Liter.
  • Zusammen: rund 60 Liter am Tag.

Mit Abdeckung außerhalb der Badezeit: Wir nehmen an, dass eine gut schließende Abdeckung die Verdunstung um rund 90 Prozent senkt. Dann bleiben etwa 5 Liter in der Ruhezeit plus die 10 Liter beim Baden, also rund 15 Liter am Tag.

Die Energie dahinter: Die Differenz von 45 Litern am Tag entspricht rund 30 kWh Wärme, die das Beckenwasser täglich verliert. Übers Jahr sind das rund 11.000 kWh. Wird das Becken mit Gas beheizt (12 ct/kWh, 90 Prozent Nutzungsgrad), kostet die fehlende Abdeckung knapp 1.500 € im Jahr, bevor die Entfeuchtung überhaupt einen Cent Strom verbraucht hat. Mit Wärmepumpe wird es günstiger, aber das Verhältnis bleibt: Die Abdeckung ist die rentabelste Investition im ganzen Schwimmbad.

Ein privates Hallenbad braucht zusätzlich eine eigene Entfeuchtungs- und Lüftungsanlage. Die Planungsgrundlagen dafür stehen in der VDI 2089. Üblich ist, die Raumluft etwas wärmer als das Beckenwasser zu halten, damit weniger verdunstet und nichts an den Wänden kondensiert. Gute Geräte holen über Wärmerückgewinnung oder Wärmepumpe einen Großteil der Verdunstungswärme zurück. Ein mobiler Baumarktentfeuchter ist hier die falsche Wahl.

Wäsche: 2 bis 4 Liter pro Ladung

Wie viel Wasser in der Wäsche steckt, hängt von Beladung und Schleuderdrehzahl ab. Auf dem EU-Energielabel steht die Schleuderwirkungsklasse. Klasse B bedeutet 45 bis 54 Prozent Restfeuchte, bezogen auf das Trockengewicht.

  • Volle 7-kg-Ladung, 1.400 Umdrehungen, rund 50 Prozent Restfeuchte: etwa 3,5 Liter
  • Halbe Ladung: etwa 1,5 bis 2 Liter
  • Mit 1.000 Umdrehungen bleibt spürbar mehr Wasser in der Wäsche

Ein Vier-Personen-Haushalt mit vier vollen Maschinen pro Woche bringt im Schnitt gut 2 Liter Wasser pro Tag zusätzlich in die Raumluft, wenn alles drinnen trocknet.

Rechenbeispiel: Was kostet eine Ladung trocknen?

Eine volle Ladung mit 3,5 Litern Wasser, im Winter:

  • Wäscheständer im Wohnraum, Feuchte weglüften: Die Verdunstung zieht rund 2,4 kWh Wärme aus dem Raum, das Weglüften kostet grob noch einmal 5 kWh. Zusammen etwa 7,5 kWh Wärme, mit Gas rund 1 € pro Ladung.
  • Wäscheständer im Keller mit effizientem Entfeuchter (1,7 Liter pro kWh): rund 2 kWh Strom, rund 75 ct.
  • Wärmepumpentrockner: nach Herstellerangaben typischerweise etwa 1 bis 1,5 kWh je volle Ladung, rund 40 bis 55 ct.
  • Draußen auf der Leine: 0 ct. Im schwäbischen Sommer die beste Lösung.

Das Ergebnis überrascht viele: Wäsche im geheizten Wohnraum zu trocknen, ist im Winter nicht kostenlos, sondern oft die teuerste Variante. Und sie ist die riskanteste, wenn der Ständer im Schlafzimmer steht.

Die Summe macht das Problem

Ein Vier-Personen-Haushalt gibt über Atmung, Kochen und Duschen ohnehin 8 bis 15 Liter am Tag an die Luft ab. Kommen ein offenes Aquarium mit 3 Litern und die Wäsche mit 2 Litern dazu, sind es schnell 20 Liter. Das ist deutlich mehr, als zweimal Stoßlüften am Tag abtransportieren kann. Im gedämmten Haus mit neuen Fenstern braucht es dann einen Plan: geregelte Lüftung, ein Entfeuchter an der richtigen Stelle oder beides. Wann welches Gerät sinnvoll ist, steht in Wann braucht man einen Luftentfeuchter?.

Gesundheit: Feuchte und Luftqualität

Dauerhaft über 60 Prozent Luftfeuchte begünstigen Schimmel und Hausstaubmilben. Für Allergiker und Menschen mit Asthma kann das eine zusätzliche Belastung sein. Beim Pool kommt ein zweiter Punkt dazu: Aus der Reaktion von Chlor mit Stoffen, die Badende ins Wasser bringen, entstehen flüchtige Verbindungen, die Augen und Atemwege reizen können. Eine ausreichend dimensionierte Lüftung mit Außenluftanteil ist im Schwimmbad deshalb ein Muss, für die Wände wie für die Atemwege.

Nachhaltigkeit: Verdunstung vermeiden ist die beste Entfeuchtung

Jeder Liter, der gar nicht erst verdunstet, spart zweimal: die Wärme für das Verdunsten und die Energie fürs Entfeuchten. Deshalb stehen am Anfang immer die einfachen Maßnahmen: Deckel aufs Aquarium, Abdeckung auf den Pool, Wäsche nach draußen oder in einen effizienten Trockner. Erst danach kommt die Technik. Die im Poolbeispiel gesparten rund 11.000 kWh Wärme entsprechen gut 12.000 kWh Erdgas und damit bei rund 201 g CO₂ je kWh knapp 2,5 Tonnen CO₂ im Jahr.

Checkliste für Ihr Zuhause

  • Aquarium abgedeckt? Nachfüllmenge pro Woche notieren, dann kennen Sie Ihre Verdunstung.
  • Pool: Abdeckung nach jeder Nutzung schließen, Raumtemperatur etwas über der Wassertemperatur.
  • Wäsche mit mindestens 1.200, besser 1.400 Umdrehungen schleudern.
  • Wäscheständer nie ins Schlafzimmer, lieber in einen Raum mit Entfeuchter oder Abluft.
  • Hygrometer in den betroffenen Raum, eine Woche beobachten.
  • Summe bilden: Haushalt plus Aquarium plus Wäsche. Reicht Ihre Lüftung für diese Menge?

Kurz gesagt

  • Ein offenes 200-Liter-Aquarium verdunstet grob 1 bis 4 Liter am Tag, abgedeckt deutlich weniger.
  • Ein privates Hallenbad bringt ohne Abdeckung im Beispiel rund 60 Liter am Tag in die Luft, mit Abdeckung rund 15.
  • Eine volle Ladung Wäsche enthält etwa 3,5 Liter Wasser.
  • Jeder verdunstete Liter kostet rund 0,68 kWh Wärme.
  • Abdecken und vermeiden ist günstiger als jede Entfeuchtung.

Sie haben eine starke Feuchtequelle im Haus und wissen nicht, wie Sie das Wasser loswerden? Wir rechnen Ihre Liter durch und planen Lüftung oder Entfeuchtung passend dazu, im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart. Mehr zur Wohnraumlüftung.

Weiterlesen: Wann braucht man einen Luftentfeuchter? · Optimale Luftfeuchtigkeit im Wohnraum

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