Werte zur Raumluft: Was ist eigentlich "gut"?
Ein CO₂-Messgerät zeigt 1.350 ppm, das Hygrometer 58 Prozent. Ist das jetzt schlimm? Ohne Einordnung sagen Zahlen wenig. Hier die wichtigsten Richtwerte für zu Hause, woher sie kommen und was Sie damit anfangen.
CO₂: Die Stufen des Umweltbundesamts
Der Ausschuss für Innenraumrichtwerte beim Umweltbundesamt hat 2008 eine Bewertung für CO₂ in Innenräumen veröffentlicht, die bis heute der Maßstab ist:
| CO₂-Konzentration | Bewertung | Was tun? |
|---|---|---|
| unter 1.000 ppm | hygienisch unbedenklich | nichts, weiter so |
| 1.000 bis 2.000 ppm | hygienisch auffällig | Lüftungsverhalten prüfen und verbessern |
| über 2.000 ppm | hygienisch inakzeptabel | Lüftungsmöglichkeiten des Raums prüfen, ggf. weitergehende Maßnahmen |
Zum Vergleich: Die Außenluft liegt derzeit bei rund 425 ppm. Das ist die Untergrenze, die kein Innenraum mit Menschen erreichen kann.
Was die Stufen praktisch bedeuten: Ab etwa 1.000 ppm bewerten laut Umweltbundesamt bereits rund 20 Prozent der Menschen die Luft als unbefriedigend. Im Bereich darüber berichten viele über nachlassende Konzentration. Mein Rat an Kunden ist einfach: Im Wohnzimmer ist unter 1.000 ppm das Ziel, im Schlafzimmer auch nachts. Eine Laborstudie mit 32 jungen Erwachsenen (Building and Environment, 2023) fand schon bei durchschnittlich 1.000 ppm leicht schlechteren Schlaf als bei 750 ppm. Die Autoren empfehlen, im Schlafzimmer darunter zu bleiben.
Wichtig bleibt: CO₂ ist ein Anzeiger für verbrauchte Luft, nicht der eigentliche Schadstoff. Mehr dazu in Raumluft verständlich erklärt.
Luftfeuchte: 40 bis 60 Prozent
Das Umweltbundesamt empfiehlt eine relative Luftfeuchte von 40 bis 60 Prozent. In der Praxis heißt das:
- Winter: 35 bis 50 Prozent sind in gut gedämmten Häusern normal. Bei Frost darf es kurzzeitig auch mal darunter gehen. Dauerhaft unter 30 Prozent empfinden viele als unangenehm trocken.
- Übergangszeit und Sommer: 45 bis 60 Prozent.
- Warnsignal: Dauerhaft über 60 Prozent im Winter. Dann wird es an kalten Flächen feucht, dort beginnt Schimmel. Entscheidend ist nicht die Feuchte in Raummitte, sondern die an der kältesten Stelle, etwa in der Außenecke hinter dem Schrank.
Relative Luftfeuchte hängt immer an der Temperatur. Ein Schlafzimmer mit 17 °C zeigt bei gleicher Wassermenge in der Luft eine höhere relative Feuchte als das 21 °C warme Wohnzimmer. Wer das Schlafzimmer kühl hält, muss dort besonders auf Feuchte achten.
Weitere Richtwerte, die man kennen sollte
- Temperatur: Das Umweltbundesamt nennt als Orientierung rund 20 °C für Wohnräume und 17 bis 18 °C für Schlafzimmer. Jedes Grad weniger spart grob 6 Prozent Heizenergie.
- Flüchtige organische Verbindungen (TVOC): Nach dem Stufenkonzept des Umweltbundesamts gelten Werte bis 0,3 mg/m³ als hygienisch unbedenklich, ab 1 mg/m³ als auffällig. Nach Renovierungen sind höhere Werte zeitweise normal, dann gilt: viel lüften.
- Formaldehyd: Richtwert 0,1 mg/m³.
- Radon: Referenzwert nach Strahlenschutzgesetz 300 Bq/m³ im Jahresmittel. Nur eine Messung über mehrere Monate gibt Klarheit.
Richtig messen
- Echte CO₂-Sensoren nutzen. Gute Geräte messen mit NDIR-Technik. Billige "Luftqualitätsmesser" schätzen CO₂ oft nur aus VOC-Werten, das ist ungenau.
- Richtig aufstellen: auf Kopfhöhe, nicht direkt neben dem Bett, nicht am Fenster oder an der Heizung.
- Plausibilität prüfen: Einmal im Freien messen. Zeigt das Gerät dort deutlich mehr oder weniger als etwa 400 bis 450 ppm, stimmt die Kalibrierung nicht.
- Hygrometer vergleichen: Zwei günstige Hygrometer nebeneinander weichen oft um 5 Prozentpunkte ab. Auf Trends achten, nicht auf die Nachkommastelle.
- Eine Woche beobachten, auch nachts. Die Nacht zeigt, wie gut das Schlafzimmer wirklich belüftet ist.
Rechenbeispiel: Was eine bedarfsgerechte Regelung spart
Eine Lüftungsanlage kann nach festen Stufen laufen oder nach Sensoren (CO₂, Feuchte). Nehmen wir ein Einfamilienhaus mit einer zentralen Anlage:
- Feste Einstellung: 150 m³/h rund um die Uhr
- Mit Sensorregelung: im Mittel 100 m³/h, weil die Anlage bei Abwesenheit und nachts in leeren Räumen zurückfährt
- Ventilator: 0,30 W pro m³/h, Strom 37 ct/kWh
- Wärmerückgewinnung 85 Prozent, Gas 12 ct/kWh, Nutzungsgrad 90 Prozent, rund 82.500 Kelvin-Stunden Heizperiode
Strom: 50 m³/h weniger × 0,30 W = 15 W × 8.760 h ≈ 130 kWh, also knapp 50 €. In Wirklichkeit ist die Ersparnis eher höher, weil der Ventilatorstrom bei weniger Luft überproportional sinkt.
Wärme: Der Restverlust von 15 Prozent für 50 m³/h: 0,34 × 50 × 82.500 × 0,15 ≈ 210 kWh Wärme, rund 230 kWh Gas, also knapp 30 €.
Zusammen gut 75 € im Jahr, über zehn Jahre also gut 750 € weniger Energiekosten, dazu eine im Winter weniger trockene Luft. Ob die Regelung nachgerüstet werden kann, hängt am Gerät: Manche brauchen nur einen Sensor, andere eine neue Steuerung. Nichtstun kostet in die andere Richtung: Eine Anlage, die dauernd zu hoch läuft, ist teurer, lauter und trocknet die Luft aus. Eine, die zu niedrig läuft, lässt CO₂ und Feuchte steigen.
Nachhaltigkeit: Nur so viel Luft wie nötig
Jeder Kubikmeter Luft, der nicht gebraucht wird, kostet Strom und Wärme. Bedarfsgeführte Lüftung ist deshalb die sauberste Lösung: genug für gute Werte, nicht mehr. Die Sensoren selbst sollten zur Wartung gehören, denn auch CO₂-Sensoren driften über die Jahre.
Typische Fehler
- Zielwert 400 ppm anstreben. Das geht innen nicht und kostet nur Energie.
- Hygrometer auf der Fensterbank. Dort ist es kälter, die Werte sind verfälscht.
- Im Winter die Luftfeuchte mit Befeuchtern hochtreiben, statt die Lüftung zu drosseln.
- Nur tagsüber messen und die Nacht vergessen.
- Einmal messen und dann jahrelang dem Sensor glauben.
Kurz gesagt
- CO₂ unter 1.000 ppm ist gut, 1.000 bis 2.000 ppm auffällig, über 2.000 ppm inakzeptabel (UBA).
- Luftfeuchte 40 bis 60 Prozent, im Winter sind 35 bis 50 Prozent normal.
- Die Nacht im Schlafzimmer ist der wichtigste Messzeitpunkt.
- Nur NDIR-Sensoren messen CO₂ zuverlässig.
- Bedarfsgeführte Lüftung spart im Beispiel rund 75 € im Jahr und sorgt für angenehmere Luft.
Sie haben Messwerte und wissen nicht, was Sie davon halten sollen? Schicken Sie sie uns, wir ordnen sie ein. Im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart kommen wir auch vorbei. Mehr zur Wohnraumlüftung.
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