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Lesezeit 8 Min. · Stand September 2026

Schimmel in den eigenen vier Wänden: Was tun?

Ein grauer Schatten hinter dem Schrank, schwarze Punkte in der Silikonfuge, ein muffiger Geruch im Schlafzimmer. Wer Schimmel entdeckt, will ihn meistens sofort weghaben. Verständlich. Aber wer nur wischt und nicht fragt, woher die Feuchte kommt, sieht den Fleck im nächsten Winter wieder. Hier steht, was Sie selbst tun können, wann ein Fachbetrieb ran muss und was das alles kostet.

Erst verstehen, dann wischen

Schimmelpilze sind überall. Ihre Sporen schweben in jeder Außenluft und in jeder Wohnung. Wachsen können sie aber nur dort, wo es über längere Zeit feucht genug ist. Das Umweltbundesamt (UBA) sagt es in seinem Schimmelleitfaden klar: Die Ursache der Feuchte muss geklärt und abgestellt werden. Ohne diesen Schritt ist jede Sanierung nur Kosmetik.

Der "Leitfaden zur Vorbeugung, Erfassung und Sanierung von Schimmelbefall in Gebäuden" erschien 2017 und wurde 2024 in Teilen überarbeitet. Er richtet sich vor allem an Sachverständige und Handwerksbetriebe, enthält aber auch die Regeln, nach denen Sie als Bewohner entscheiden können.

Die häufigsten Ursachen, die ich bei Hausbesuchen im Raum Böblingen finde:

  • Zu hohe Raumfeuchte bei zu wenig Luftwechsel. Oft nach neuen Fenstern oder einer Dachsanierung.
  • Kalte Stellen in der Außenwand. Außenecken, Fensterlaibungen, Rollladenkästen, Betonstürze. Dort sinkt die Oberflächentemperatur, und die Luft direkt an der Wand wird feucht.
  • Möbel dicht an der Außenwand. Hinter dem Schrank kommt keine warme Luft hin.
  • Wasser, das nicht aus der Luft stammt. Undichte Leitungen, ein kaputtes Fallrohr, aufsteigende Feuchte im Keller, ein Wasserschaden vom Nachbarn.
  • Neubaufeuchte. Estrich und Putz geben in den ersten ein bis zwei Jahren noch viel Wasser ab.

Die ersten drei Punkte hängen zusammen und lassen sich meist über Lüften, Heizen und Möbelstellung lösen. Beim vierten Punkt hilft kein Lüften. Da muss der Schaden repariert werden, bevor irgendjemand über Schimmel spricht. Neubaufeuchte braucht vor allem Zeit, konsequentes Lüften und in der ersten Heizperiode oft einen Entfeuchter.

Selbst entfernen oder Fachbetrieb?

Das UBA zieht eine einfache Linie. Kleinen Befall dürfen Sie selbst entfernen, als Orientierung weniger als 0,5 m² und nur oberflächlich. Das ist etwa eine Fläche von 70 mal 70 Zentimetern. Größerer Befall gehört laut UBA immer in die Hände einer fachkundigen Firma. Das gilt auch, wenn der Schimmel tief im Putz sitzt, hinter Verkleidungen oder in der Dämmung steckt.

Nicht selbst Hand anlegen sollten nach UBA Menschen, die allergisch auf Schimmelpilze reagieren, an chronischen Atemwegserkrankungen leiden oder ein geschwächtes Immunsystem haben. Dann macht es jemand anderes oder der Fachbetrieb.

Wenn Sie es selbst machen

  • Schutz: Handschuhe, Atemschutzmaske aus dem Baumarkt (etwa FFP2), Staubschutzbrille, Kleidung, die danach in die Wäsche kommt. So empfiehlt es das UBA.
  • Staub vermeiden: Befallene Stellen vorher mit der Sprühflasche anfeuchten, nicht trocken abbürsten. Lebensmittel, Spielzeug und Kleidung vorher aus dem Raum bringen.
  • Mittel: Auf glatten Flächen reicht oft Wasser mit Haushaltsreiniger. Für Putz und Tapete eignet sich 70- bis 80-prozentiger Ethanol aus der Apotheke. Nur kleine Mengen, gut lüften, kein offenes Feuer.
  • Finger weg von Essig. Das UBA rät ausdrücklich davon ab. Auf Baustoffen kann Essig das Pilzwachstum sogar fördern. Auch chlorhaltige Schimmelsprays und Fungizide sind für Innenräume keine gute Idee.
  • Befallene Tapete feucht ablösen und in einem geschlossenen Beutel entsorgen.

Wann ein Fachbetrieb nötig ist

  • Befall größer als etwa 0,5 m² oder an mehreren Stellen
  • Schimmel kommt nach dem Wischen wieder, obwohl Sie lüften
  • Verdacht auf Leitungswasserschaden, Feuchte in der Konstruktion oder im Fußbodenaufbau
  • Muffiger Geruch ohne sichtbaren Fleck
  • Im Haushalt leben Menschen aus den oben genannten Risikogruppen, Säuglinge oder Pflegebedürftige

Ist der Schimmel sichtbar, braucht es in aller Regel keine Luftmessung, um festzustellen, dass etwas zu tun ist. Messungen sind eher etwas für den versteckten Befall. Wohnen Sie zur Miete, informieren Sie den Vermieter umgehend und schriftlich. Dazu sind Sie verpflichtet, und es klärt früh, wer welchen Anteil trägt.

Rechenbeispiel: Ursache beheben oder Symptom bekämpfen?

Nehmen wir das typische Schlafzimmer mit grauer Außenecke. Zwei Wege sind möglich.

Weg A, das Symptom: Ein mobiler Luftentfeuchter läuft im Winter jeden Tag. Annahmen: 250 Watt, zehn Stunden täglich, 150 Tage.

250 W × 10 h × 150 Tage = 375 kWh, bei 37 ct/kWh (BDEW, Stand 08/2026) rund 140 € pro Jahr. Jedes Jahr, ohne dass sich an der kalten Ecke etwas ändert. Und der Entfeuchter bringt keine Frischluft.

Weg B, die Ursache: Das Zimmer wird nicht mehr auf 15 °C heruntergefahren, sondern auf 18 °C gehalten, der Schrank rückt 10 cm von der Wand weg, morgens wird kurz quergelüftet. Wir nehmen grob an, dass das Schlafzimmer bisher rund 1.500 kWh Wärme im Jahr gebraucht hat und drei Grad mehr etwa 18 Prozent zusätzlich kosten (Faustwert rund 6 Prozent je Grad). Das sind etwa 270 kWh Wärme, mit Gas bei 12 ct/kWh und 90 Prozent Nutzungsgrad rund 36 € im Jahr.

Weg B ist günstiger und hebt obendrein die Oberflächentemperatur in der Ecke an. Genau das nimmt dem Schimmel die Grundlage. Reicht das nicht, weil das Haus nach einer Sanierung zu dicht ist, braucht es eine geplante Lüftung. Was Nichtstun kostet, ist dagegen schwer zu deckeln: Eine Schimmelsanierung heißt Ursachensuche, Rückbau, Trocknung und Malerarbeiten, bei durchfeuchteter Dämmung auch den Austausch der Dämmung.

Gesundheit: Sachlich einordnen

Schimmel ist kein Grund zur Panik, aber auch nichts, womit man gemütlich weiterlebt. Das UBA nennt als mögliche Folgen allergische Reaktionen wie Schnupfen, tränende Augen und Niesen, außerdem ein erhöhtes Risiko für Atemwegserkrankungen und Atemwegsinfekte und eine mögliche Verstärkung von bestehendem Asthma. Eine viel zitierte Meta-Analyse (Fisk et al., Indoor Air 2007) fand, dass Feuchte und Schimmel in Wohnungen mit etwa 30 bis 50 Prozent mehr Atemwegs- und Asthmabeschwerden verbunden sind.

Als Heilpraktikerin sehe ich oft Menschen, die ihre Beschwerden lange nicht mit der Wohnung in Verbindung bringen. Wer Beschwerden hat, gehört zum Arzt, und die Wohnung gehört gleichzeitig auf den Prüfstand. Das eine ersetzt das andere nicht. Bei Fragen zur Belastung helfen auch die umweltmedizinischen Beratungsstellen, auf die das UBA verweist.

Nachhaltigkeit: Reparieren statt Übermalen

Anti-Schimmel-Farbe über einem feuchten Fleck ist die teuerste Lösung auf Raten. Sie deckt das Problem ab, bis es wiederkommt, und dann wird mehr Putz abgeschlagen und mehr Material entsorgt. Der Entfeuchter aus Weg A verursacht mit dem deutschen Strommix (344 g CO₂/kWh, UBA) rund 130 kg CO₂ im Jahr, ohne dass das Problem gelöst ist. Nachhaltig ist, die Wand trocken und warm zu halten. Dann hält auch der Putz Jahrzehnte.

Checkliste: Die ersten 48 Stunden

  • Foto machen, Fläche grob abmessen, Datum notieren
  • Hygrometer in den Raum stellen und eine Woche beobachten, auch nachts
  • Möbel von der Außenwand abrücken
  • Prüfen: Kommt Wasser von irgendwo her? Leitungen, Dach, Fallrohr, Nachbarwohnung
  • Unter 0,5 m² und oberflächlich: selbst entfernen, mit Schutz und ohne Essig
  • Größer, wiederkehrend oder unklar: Fachbetrieb, bei Miete zuerst den Vermieter
  • Danach die Ursache angehen: Lüften, Heizen, Luftwechsel planen

Kurz gesagt

  • Schimmel wächst nur, wo es dauerhaft feucht ist. Die Ursache zu finden ist wichtiger als das Mittel.
  • Unter 0,5 m² und oberflächlich dürfen Sie selbst ran, größer gehört in Fachhände.
  • Allergiker, Asthmatiker und Menschen mit schwachem Immunsystem entfernen Schimmel nicht selbst.
  • Essig und Chlorsprays sind ungeeignet, 70- bis 80-prozentiger Ethanol funktioniert.
  • Ein Entfeuchter als Dauerlösung kostet im Beispiel rund 140 € im Jahr, die Ursache zu beheben meist weniger.

Sie haben Schimmel und wissen nicht, woher er kommt? Wir messen, suchen die Ursache und planen die passende Lüftung, im Raum Schönaich, Böblingen und Stuttgart. Mehr zur Wohnraumlüftung.

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