Feuchtigkeit an Fenstern: Kondenswasser verstehen und vermeiden
Morgens steht Wasser unten an der Scheibe, auf der Fensterbank bildet sich eine kleine Pfütze, und in der Dichtung wird es schwarz. Beschlagene Fenster sind das sichtbarste Zeichen für zu viel Feuchte im Raum. Manchmal sind sie harmlos, manchmal ein Warnsignal. Mit einem einzigen Begriff lässt sich das auseinanderhalten: dem Taupunkt.
Der Taupunkt in einem Satz
Warme Luft kann mehr Wasserdampf halten als kalte. Kühlt Luft ab, kommt irgendwann der Punkt, an dem sie das Wasser nicht mehr halten kann. Diese Temperatur heißt Taupunkt. Darunter wird aus Dampf Wasser.
Das kennen Sie vom Bierglas im Sommer. Das Glas ist kälter als der Taupunkt der Umgebungsluft, also beschlägt es. Am Fenster passiert im Winter genau dasselbe: Die Raumluft streift an der kalten Scheibe entlang, kühlt ab, und wenn die Scheibe kälter als der Taupunkt ist, schlägt sich Wasser nieder.
Taupunkttabelle für den Alltag
Der Taupunkt hängt von Raumtemperatur und relativer Luftfeuchte ab. Die Werte sind mit der üblichen Magnus-Formel gerechnet und auf eine Nachkommastelle gerundet:
| Raumluft | Taupunkt |
|---|---|
| 20 °C, 40 % | ca. 6,0 °C |
| 20 °C, 50 % | ca. 9,3 °C |
| 20 °C, 60 % | ca. 12,0 °C |
| 20 °C, 70 % | ca. 14,4 °C |
| 18 °C, 60 % | ca. 10,1 °C |
| 22 °C, 50 % | ca. 11,1 °C |
Lesebeispiel: Bei 20 °C und 50 Prozent beschlägt jede Fläche, die kälter als gut 9 °C ist.
Für Schimmel reicht schon weniger. Schimmelpilze brauchen kein flüssiges Wasser. Ihnen genügt es, wenn die Luft direkt an der Oberfläche über längere Zeit rund 80 Prozent relative Feuchte hat. Deshalb verlangt die Wärmeschutznorm DIN 4108-2, dass Innenoberflächen bei 20 °C Raumluft und 50 Prozent Feuchte nicht unter etwa 12,6 °C fallen. Die Scheibe zeigt Tauwasser, die Wand zeigt irgendwann Schimmel.
Wie kalt wird die Scheibe?
Die Oberflächentemperatur innen hängt vom U-Wert des Glases ab. Vereinfacht gerechnet bei −5 °C draußen und 20 °C drinnen, in Scheibenmitte:
| Verglasung | Ug-Wert ca. | Innenoberfläche ca. |
|---|---|---|
| Einfachglas | 5,8 W/(m²K) | 1 °C |
| altes Isolierglas (1970er/80er) | 2,8 W/(m²K) | 11 °C |
| Zweifach-Wärmeschutzglas | 1,1 W/(m²K) | 16 °C |
| Dreifach-Wärmeschutzglas | 0,6 W/(m²K) | 18 °C |
Das erklärt vieles. Altes Isolierglas beschlägt bei Frost schon ab etwa 55 Prozent Raumfeuchte. Moderne Dreifachverglasung bleibt dagegen auch bei 60 Prozent in der Mitte trocken. Am Rand ist es kälter, weil dort der Abstandhalter zwischen den Scheiben sitzt. Alte Aluminium-Abstandhalter leiten viel Wärme ab, sogenannte "warme Kanten" aus Kunststoff oder Edelstahl deutlich weniger. Deshalb sammelt sich das Wasser meist unten am Rand.
Innen, außen oder dazwischen? Drei Fälle
Kondenswasser innen: Die Raumluft ist zu feucht oder die Scheibe zu kalt. Bei alten Fenstern an sehr kalten Tagen kann das vorkommen. Tritt es regelmäßig auf, auch bei neueren Fenstern, ist die Luftfeuchte zu hoch. Dann ist Handeln gefragt, denn wo die Scheibe nass ist, ist die Laibung meist nicht weit davon entfernt.
Kondenswasser außen: Das ist ein gutes Zeichen. Moderne Dreifachverglasung lässt so wenig Wärme durch, dass die äußere Scheibe in klaren Nächten stark auskühlt. Morgens schlägt sich dann Tau aus der Außenluft nieder, wie am Autodach. Das verschwindet von selbst, sobald die Sonne kommt. Gerade in Senken und am Waldrand, etwa rund um Schönaich, kommt das im Herbst häufig vor.
Kondenswasser zwischen den Scheiben: Der Randverbund ist undicht, Feuchte ist in den Scheibenzwischenraum gelangt. Wegwischen geht nicht. Hier hilft nur der Tausch der Glaseinheit, oft kann der Rahmen bleiben.
Rechenbeispiel: Was eine alte Scheibe kostet
Ein Fenster mit 2 m² Glasfläche, altes Isolierglas (Ug 2,8) gegen neues Dreifachglas (Ug 0,6). Rund 82.500 Kelvin-Stunden Heizperiode (grob Region Stuttgart), Gas 12 ct/kWh, 90 Prozent Nutzungsgrad.
(2,8 − 0,6) × 2 m² × 82.500 Kh ÷ 1.000 ≈ 360 kWh Wärme pro Jahr
Das sind rund 400 kWh Gas oder knapp 50 € im Jahr, für ein einziges Fenster. Bei zehn Fenstern dieser Größe liegen Sie bei rund 500 €. Dazu kommen die Folgekosten: nasse Holzrahmen, schwarze Dichtungen, gestrichene Laibungen, im schlimmsten Fall Schimmelsanierung.
Nicht immer ist gleich ein neues Fenster nötig. Bei intakten Rahmen kann ein Tausch der Glaseinheit reichen. Und wer neue Fenster plant, sollte die Lüftung mitdenken, sonst wandert das Kondenswasser von der Scheibe an die Wand. Mehr dazu in Neue Fenster eingebaut? Achtung Schimmelgefahr.
Gesundheit: Nasse Fenster als Frühwarnsystem
Ein beschlagenes Fenster ist kein Gesundheitsrisiko. Es ist ein Messgerät, das man ernst nehmen sollte. Dauerhaft nasse Fensterbänke und schwarze Silikonfugen sind ein Nährboden für Schimmel. Wer auf Schimmelsporen allergisch reagiert oder Asthma hat, spürt das unter Umständen früher als die Wand. Die Luft, die zum Beschlagen führt, ist außerdem meist auch verbrauchte Luft. Wer nachts im Schlafzimmer ein nasses Fenster produziert, hat dort in der Regel auch hohe CO₂-Werte. Frische, trockenere Luft kann helfen, besser durchzuschlafen.
Nachhaltigkeit: Wasser wischen ist keine Lösung
Das Wasser an der Scheibe wegzuwischen verschiebt das Problem nur. Die Ursache ist zu viel Feuchte in der Raumluft oder eine zu kalte Fläche. Beides lässt sich dauerhaft lösen: durch geplante Lüftung, durch besseres Glas oder durch warme Kanten. Ein Glastausch statt eines kompletten Fenstertauschs spart Material, wenn der Rahmen noch gut ist. Und jede kWh, die nicht durchs Glas verloren geht, spart bei Erdgas rund 200 g CO₂.
Typische Fehler
- Fensterbank zugestellt, Heizkörper darunter hinter langen Vorhängen versteckt. Dann kommt die warme Luft nicht an die Scheibe.
- Rollläden tagsüber unten lassen. Die Scheibe bleibt kalt und bekommt keine Sonne.
- Nachts gekippt, damit "es nicht beschlägt". Das kühlt Rahmen und Laibung zusätzlich aus.
- Wasser im Fensterfalz stehen lassen. Holzrahmen nehmen das übel.
- Außen beschlagene Scheiben reklamieren. Das ist ein Zeichen für gutes Glas.
- Beschlagene Scheiben mit einem Luftentfeuchter auf der Fensterbank bekämpfen, statt die Ursache zu klären.
Kurz gesagt
- Unterhalb des Taupunkts wird aus Wasserdampf Wasser. Bei 20 °C und 50 Prozent liegt er bei gut 9 °C.
- Schimmel beginnt schon früher, bei rund 80 Prozent Feuchte an der Oberfläche.
- Innen nass heißt: zu feucht oder zu kalt. Außen nass heißt: gutes Glas. Dazwischen nass heißt: Glas tauschen.
- Eine alte Isolierglasscheibe mit 2 m² kostet im Beispiel knapp 50 € Heizenergie im Jahr mehr als Dreifachglas.
- Wischen hilft kurz, Lüften und bessere Oberflächen helfen dauerhaft.
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